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GEDICHTE:     ***  Die Zeit – Die Vergänglichkeit  ***  Gedicht zum 21. Geburtstag  ***   Gedanken ***  Acht-Zehn (Rap)
*** 
Der Traurige Spötter   ***  

SONGTEXTE: ***  Older Men Blues  ***  All the things you can dream of *** I’m a Bug  ***    New Year Chillen  ***      The Co-Coal Blues   ***    Remember me  ***  I died  one time
 

TITEL:

Die Zeit-Die Vergänglichkeit

Gedicht zum 21. Geburtstag

Gedanken

Acht-Zehn (Rap)

Der Traurige Spötter

 

Eines meiner ältesten ›Gedichte‹ ... geschrieben als 16-Jähriger in Prien a. Chiemsee.
Es ist immer noch eines meiner liebsten!

Zeit-Vergänglichkeit Grafik-mini


Die Zeit - Die Vergänglichkeit

Der, der die Zeit bekriegt,
und der, der sich selbst besiegt;
Der, der die Zeit anficht,
der, dem es nie an Mut gebricht,
der die Glut des Lebens erkennt
und den Tod Erlöser nennt:
Die Gunst der Ewigkeit,
er sucht sie in der Vergangenheit!
 

Der, der Ideen fällt,
wie wenn es Bäume wären;
Der, der das Licht erhellt
und Wasser lässt gären:
Im Rauch des Dunkels
er das Böse sucht,
und im Licht des Funkelns
über Güte flucht!
 

Der, der die Zeit anficht
und der, der die Zeit erbricht:
Träumt er von der Ewigkeit,
so frißt ihn die Vergesslichkeit!
 

Der, der im Traum des Lichts,
verliert Gedanken im Nichts:
Den holen sie ab
und tragen ihn zu Grab'
und bringen ihm zum Gruß,
was er wissen muss!

Und er sieht selbst ein,
was schon immer war,
und schenkt sich ein den Wein,
den die Zeit gebar:

Die Vergänglichkeit!


 

© a.zeram 1970

 

Strich für Absätze

Ebenfalls ein sehr frühes Gedicht ... mit all den Erkenntnissen und Zweifeln eines jungen, auf ›Kontra‹ gepolten Geistes – geschrieben kurz nach der gesetzlichen Herabsetzung des ›Volljährigkeits-Alters‹ für bundesdeutsche Heranwachsende von 21 auf 18 ... was für mich als Fremdbürger in Belgien jedoch nicht galt.
(Belgier sollten erst 1990 mit 18 volljährig werden!)

Gedicht zum 21.Geburtstag

 

Jetzt bin ich also vollwertig und ernst zu nehmen! Ab heute darf ich mich mit Berechtigung grämen. Jedoch … glaubt da irgendjemand, dass ich heute anders fühle? Als gestern vielleicht … in Erinnerung wühle? Ich wüsste meinen Spott gegen diese kaum zu zähmen!

 Ich bin nun einundzwanzig Jahre alt … entronnen der Erwachsenen Unterdrückungsgewalt, schliddere hinein in einen neuen Sklavenabschnitt unseres Lebens, denn alle Bemühungen, zuversichtlich zu sein, bleiben vergebens, solange man sich mit offenen Augen umsieht: Die Welt ist kalt!

Die Kriege werden mir zu Ehren nicht abgebrochen, die, die am Spieltisch sitzen, werden noch genauso ausgestochen, während der Hunger neue Opfer fordert und nimmt, während die Weiterführung des Angefangenen beginnt … ohne je pausiert zu haben. Glauben sie mir: Es stimmt!

Was ändertʼs, dass ich älter geworden bin? Jeder nimmt das ungewollt und unbewußt hin. Keiner kümmert sich weiter darum, keiner fragt: wer wurde geboren und warum? Und ich finde das alles auch gar nicht schlimm.

Man feierte mich im kleinen Kreis - löste Rätsel (oder auch nicht) auf mein Geheiß und damit war mir auch schon gedient. Die Welt weiß schon, was sich ziemt. Sie feiert auch jeden Säugling und jeden Greis.

 

21 Geburtstag

Denn jeder wurde einmal geboren, ohne seine Zustimmung - keineswegs auserkoren. Und jeder Geburtstag eines jeden wird gefeiert, so fern dieser Tag nicht in Vergessenheit verschleiert, der Mensch nicht in datenlosem Elend und Ignoranz geboren!

Ja, das bin ich: Einundzwanzig Jahre. Auch heute wuchsen meine Haare und der Herzschlag hielt nicht einen Augenblick inne, wartete nicht darauf, dass ich mein 22. Lebensjahr beginne - scherte sich wenig um meine einundzwanzig Jahre!

Auch ich sah keinen Grund zum Feiern, die menschlich-familiäre Tradition weiter zu leiern - und doch habe ich es bewußt getan. Ich machte mich einer Gewohnheit untertan. Und ich sah ein: ›Auch DU bist willenslahm!‹

Doch ich arbeitete wie an jedem andren Tag … empfand es wieder einmal nicht als Plagʼ. Die Idee des Geburtstages schien mir fremd. Ganz normal - wenn man sein Geburtsdatum kennt. Es gibt da eigentlich nichts zu feiern, denn man feiert nur Dinge, die man erkennt!

 

© a.zeram 1975

Strich für Absätze

1979 während eines Aufenthaltes  in Straßburg irgendwo am Rheinufer geschrieben ... Gedanken, wie sie gerade kamen.

 

Gedanken

    

Umhangen,
vergangen,
verlogen,
umwoben
– die Welt.

Von Glück
und Leid,
von Schmerz
und Neid
– und Geld.

Trauer und Tiefe
des Lebens Sinn.
Als ob wegliefe
der Hoffnung Beginn.

Tausend Qualen
… des Lebens Not.
Buchstaben, Zahlen
– im falschen Lot.

Der Strom fließt weiter,
der Strom wird breiter
– verjüngt sich nie.
Der Männer Lüste,
der Frauen Brüste
– nie vergehen sie.

Anfang und Ende
… der Eintönigkeit Wende
und des Lebens Magnet.
Tod und Gebären
… wie blühende Ähren
– alles zergeht!

Todbringender Irrtum
im Glauben an Licht.
Glücksträchtige Weisheit
– auch sie besteht nicht.

Regen und Sonne,
des Grases Bestand.
Auftrieb und Abschwung
– dem Siechen verwandt.

 

Straßburger Rosette-invers

Erlegen,
verwegen,
zerpflückt
und entrückt
– das Sein.

Vor Gottes Schauer
und Jesum Trauer –
im Gestern und Heute
… verwerfliche Beute.
In Nähe und Weite
in Länge und Breite
– das Sein.

Aber wir danken
den Lebensranken,
dem Urgeist der Gruft
… der heiligen Luft.
Wir preisen und ehren
- wir loben und wehren
... uns nie!

Lass Himmel und Hölle
– lass alles gedeihʼn.

Denn auch Himmel und Hölle
– auch sie sind DEIN!

Gib Glück und Leiden,
wir werden's vereiden,
werden lachen und neiden
und lobsingen
... DIR!

Das Leben, ein Kreisel,
der Mensch nur ein Tier.
Schlagt uns auf die Pfoten,
ihr ewigen Boten,
ihr rastlose Toten,
ihr Schwarzen und Roten,
ihr toten Boten
ihr lebende Toten
... es muss so sein!

 

 

© a.zeram 1979

 

Strich für Absätze

Das Pendant zum oben angeführten ›Gedicht zum 21. Geburtstag‹ ... geschrieben zum 18. Geburtstag meiner ältesten Tochter. Völlig anders ... nicht nur inhaltlich!

ACHT-ZEHN (Rap mich!)
...  to the upgrown

Achtzehn ... Gut!

Aber wir wollen doch nichts überstürzen.
Der Alltag verlangt es –
will Alltäglichkeit würzen.
Wir gehen gemeinsam –
wir und Du ... das ist Brauch.
Die einen, die zaudern –
und Du ... vielleicht auch?

Achtzehn Jahre ... das ist OK!

Hat einer Erinnerung?
… dann wird er sie wahren.
Doch keiner wirdʼs wagen,
nach dem Sinn zu fragen,
die Triebschleuder tragen
und Erbsünde verklagen,
was niemand zu fragen,
und zur Klärung beitragen
und zur Häme aufragen
ließe und in diesen Tagen
dem letzten Willen antragen
würde und doch nie ertragen
wollte, denn wo wir einsparen
… dort istʼs ... OK!

Wir fragen nicht, wir handeln:
Wenn Jungs und Girls anbandeln,
frisch-vermählte Lesben lustwandeln,
sich Spießer in Transen verwandeln,
Smartphone-Stalker nachtwandeln
und Politiker verhandeln,
Umweltprofis verschandeln,
was Ewigkeiten behandeln
und Nichtigkeiten sind!
 

aufblasbare-geburtstagstorte-18

Keine Frage!

Die Welt aus jungen Augen
ist eine Welt ganz neu erschaffen.

18 ... GUUUUUT!

Stürzen wir uns ins Vergnügen
und denken nicht ans Genügen,
denn das kommt noch früh genug!

Entsagen und Entbehren
das können wir verwehren –
denn Tradition entehren,
Brackwässer entleeren,
Vorurteile mehren
und Gefahren abwehren:
IHR konntet ʼs nicht lehren,
doch ... wir … können es gut.

Sind jetzt achtzehn Jahre …
und unsre grauen Haare
sind selber gefärbt.
Bei bunt-greller Schminke
und neon-glow Tinte …
habt IHR nichts vererbt!
Das ist unser Bier ...
heute und hier!
WIR kennen die Losung
und IHR kennt sie nicht!

WIR sind jetzt achtzehn ...
IHR seid es nicht
 

 

© a. zeram 2006/2013

 

Strich für Absätze

Is there anybody out there?

Is there anybody out there-mini

Is there anybody out there?
 

Ich habe diesen Aufschrei gehört.
Habe mir gedacht:
Was will der Sänger mir singen?
Was will er mich fragen?
Will er was von mir?
Habe in mich hinein
... gehört!
Erst ganz ruhig,
dann immer lauter!
Ohne Ende
und ohne Anfang!

Was will diese Einsicht von mir?
Warum attackiert sie mich?
Out there!
Was denn?
Wo genau?
Warum überhaupt?
 

Iss nix da draußen.
Du kannst hier net rein!
Das ist meine Sprache.
Nicht raus.
Wer will den raus?
Sowas blödes auch!
Hey Mann, wassn angesacht?
Iss sehr änibadi ...
WassollderScheiß?
 

Bin ich wie alle?
Alle da draußen?
Bin ich da draußen?
Bin ich einer von denen?
Wer bin ich denn
in den Augen
dieses Sängers?
In den Augen
der Anderen?

Völlig egal!
 

Und ein anderer
der mir entgegenwimmert:
Lahf mih! Wärewah juh ahr!
Liebʼ mich doch,
wo immer ich auch bin!

Haha!
Wer stellt sich da so blöd?
Wen soll ich denn lieben?
Wen?
Und wer mich?
Wer?
 

Wer findet mich
in diesem Kabelsalat
über unseren Wabenburgen?
Verbaut hinter meinen Smartie-Apps
und meinen Wohlfühl-Tagesplänen.
 

Wo bin ich denn?
Woher weiß der denn,
ob ich da draußen bin?

Out there …
Verdrahtet und gelähmt.
 

Wo ist denn da draußen?
Jenseits der Mauer?
Und wo is drinnen?
Im stillen Kämmerchen?
Aufm stillen Örtchen?
Weisheiten im Spülgang
der Erkenntnisse.
 

Und selbst wenn,
selbst wenn alles …
und wenn er …
Ja, selbst wenn …
alles ganz anders gemeint wärʼ!
 

Scheiß Song!
Macht einen fix und alle!
Wenn man nix weiß,
was wo und wieso ist:
Depressiv-Quirl!
 

Schon Bullshit, oder?

Is there anybody out there?

Und wenn schon!

 

 

© 2009 / bearbeitet 2015

Strich für Absätze

DER TRAURIGE SPÖTTER

An dieser Stelle möchte ich ganz kurz auf die Bedeutung meines Logos hinweisen, das auf dieser Site und in meinen Büchern immer wieder auftaucht. - Die Basis dazu bietet ein Gedicht, das ich 1975 geschrieben habe:  >DER TRAURIGE SPÖTTER<

(Detail-Beschreibung hier klicken - “Portrait”)

AZ-LOGO Schwarz-Weiss-Original

Das Gedicht dazu:

»DER TRAURIGE SPÖTTER«

Alle Menschen sind gleich,

nur manche sind eben reich!

So entsteht eine seltsame Gleichung,

von der Regel ist sie eine Abweichung:

Manche sind gleicher als andere!

 

Alle Menschen sind gut!

Admiräle, Generäle und die ganze Brut;

Politiker, Wirtschaftsbosse, Klassenpatrioten,

Untergangsplaner und Atomtodboten:

Alle sind sie gut!

 

Alle Menschen sind schlecht!

›Nicht alle!‹ – Stimmt, sie haben recht!

Manche sind gütig und manche sind böse,

manche beten, auf dass man sie erlöse,

und manche kümmern sich um gar nichts.

 

Alle Menschen sind

irgend etwas, vom Greis bis zum Kind.

Nur ich bin nichts, nicht viel jedenfalls:

Ich bin eben nur, nicht mehr als ...

ein Spötter!

 

Ich nenne alles beim Namen,

sprenge so manchen Rahmen,

doch ich tauge nicht viel!

Alles ist ein Spiel ...
das Spiel des Spottes.

 

Ich glaube an keine Gottheit

und ich trete jeden Punkt breit.

Oft bin ich mir schon selbst genug

und dann halte ich mich für unglaublich klug.

Doch ... ich bin traurig!

 

Denn die Menschen sind nicht alle gleich,

nicht, weil einige arm und andere reich,

sondern weil eben einfach nicht gleich.

Alles ist wie ein modriger Teich -

und doch so schimmernd!

 

Die Neger und Chinesen,

diese seltsamen andren Wesen,

sie sollen uns Weißen gleich sein?

Das wäre doch wohl ... nein!

– Nur WIR sind gleich!

 

Und die Neger und Chinesen,

Juden, Türken und Irokesen,

sie schätzen uns ebensowenig!

Ich bin langmähnig ...

mich schätzt man gleich gar nicht!

 

Die Jungen und die Alten,

ließe man sie walten,

sie schlügen sich gleich tot

und schüfen größte Not

auf allen Kontinenten.

 

Die einen stehen links, die andren rechts,

auch mitten in der Hitze des Gefechts;

sie betrügen nach Strich und Faden,

beißen einander in die Waden

... im Lebenskrieg!

 

Aber auch Militärkriege gibt es hier.

Man führt sie aus Spaß am Waffengeklirr.

Denn erreichen tut niemand etwas,

nicht mit Bomben, Blei oder Gas.

Grenzen werden nur provisorisch verschoben.

 

Ich bin ein trauriger Spötter,

ich habe auch keine Götter.

Ich verspotte mich und die Welt,

die Politik, den Frevel, das Geld,-

und natürlich darüber zu spotten.

 

Keine Weltanschauung ist mir fremd:

ob ›Feuer & Schwert‹ oder Büßerhemd,

alle Religionen und auch die Philosophien,

arten doch meist nur aus zum Spleen -

und ich hänge mittendrin!

 

Ich würde gern die Welt verbessern,

mit viel Güte und Steuererlässern,

mit großen Worten und viel Sinn - 

doch in welchen Worten liegt schon solcher drin?

Ich glaube ... ich bin sprachlos!

 

Manchmal versuche ich, mich einzugliedern.

Dann lasse ich mich begeistern von Versen und Liedern,

von hochgeistiger und Schundliteratur,

von Technik, Film, Kunst und Akupunktur.

Doch dann bedenke ich!

 

Und so komme ich zu dem traurigen Schluß,

dass diese Sauerei eine andere werden muss.

Ich arbeite an der Lösung unzähliger Probleme,

solchen, die mir nahestehen und solchen, die ich verfeme;

doch ich bin eben nur ... ein Spötter.

 

Die Lösung der Rätsel auf dieser Erde,

auf dass sie eine bessere werde,

die Demokratisierung der tyrannisierten Welt,

dieser Kugel, diesem Königreich ›Geld‹;

ich kenne sie nicht!

 

Vielleicht wird das einmal anders,

im Moment aber habe ich weder die Mittel noch den Anlaß,

etwas andres zu tun als weinend zu spotten

und schön langsam gleich der Menschennorm zu verrotten.

Ich bin eben nur ...

 

...  der traurige Spötter!

© a. zeram 1975

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