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ESSAYS und ÜBERLEGUNGEN:  »... meine unbescheidene Meinung«

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027)  TIERLIEBE
         (1. Haustiere)
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demnächst:

028) TIERLIEBE
        (2. Nutztiere)

027)  TIERLIEBE      
             (Teil 1: Haustiere … zwischen Spielzeug, Therapie und Quälerei)

Tierliebe-Titelgrafik Nero


Unsere Tierliebe steht jeden Tag auf dem Prüfstand. Irgendwo zwischen Artenschutz, Ausrottung, Massentierhaltung, Bio-Bio, Pelzverbot, Naturreservat, Tierpark und Haustierverwöhnung pendelt sich ein unstetes Gewissen gegen einen inneren Schweinehund aus, der oft genug dem Mammon nachgibt … im privaten wie im globalen Sinn. Dazu kommt dann noch der ganz persönliche Aspekt eines Engagements, zu dem es tausend Rechtfertigungen und ebenso viele Verurteilungen geben könnte … wären da genug Kläger und … öffentliches Interesse. Weder gibt es Gesetze, die vorschreiben, wie und wann ein Tier im allgemeinverständlichen Sinne ›glücklich‹ wäre und zu sein hätte, noch wann der Mensch ein Tier zu seinem Nutzen (oder seinem Zeitvertreib, bzw. seiner Freude) einspannen dürfe. Das Recht eines nichtmenschlichen Wesens ist auf diesem Planeten marginal … bzw. eher: gar nicht definiert! Tierschutz wird im höchst spezifischen Detail ausgedacht, in Parzellen ausgeführt und in abgegrenzten Regionen praktiziert. Der wandernde Büffel hat davon ebenso viel wie der Zugvogel; das Fabrik-Schwein im Massenpferch und das Huhn im Eierreaktor: nämlich nichts!

Auf der anderen Seite … das ganz normale Haustier!

Es gibt kein Gesetz GEGEN die Tierhaltung. Erst mit einem Verstoß gegen vage ethisch oder gar moralisch formulierte Regeln (die noch dazu von Region zu Region und von Land zu Land verschieden sind) greift so etwas wie Tierschutz. Dass ein kleines Kind aber unbedingt einen Kuschelkater oder ein Hündchen zum Stöckchen-Werfen haben möchte … das steht auf einem ganz anderen Blatt. Fast jeder hat schon mal –irgendwann in seinem Leben– die eine oder andere Art von Haustier gehabt … gepflegt, umsorgt … und irgendwann dann vielleicht sogar auch wieder vergessen – zum Leid der Eltern, der Erziehungsberechtigten, die zuletzt immer das ausbaden müssen, was Kinder bewilligt bekommen. Ein Hund, eine Katze, ein Vogel – Fische, Nager, Krabbeltiere, Exoten jeder Art … selbst Schnecken oder Würmer sind vor dem Zugriff entsprechend ›tierlieber‹ Zeitgenossen nicht … geschützt!
 

Tierliebe-Zuhause ohne Katze-mdZudem: Was des einen Bürgers liebstes Wesen zu sein scheint, ist dem Nachbarn oft ein Ärgernis. Die Uneinigkeit manifestiert sich in der Regel in äußerlich sichtbaren, als störend oder belästigend empfundenen Details, die sich meist um die natürlichen Hinterlassenschaften und die ebenfalls natürlichen Artikulationsweisen der tierischen Freunde drehen. Dennoch bleibt im privaten Bereich, also dort, wo der Nachbar in der Regel keinen optischen, akustischen wie sensorischen Zugriff hat, ein Fakt bestehen, der gemeinhin »Tierliebe« genannt wird, im spezifischen Kontext jedoch besser als »Haustierliebe« bezeichnet werden sollte.

Von Putzi bis Hasso, von Schnippi bis Esmeralda … ein Leben ohne Haustier ist für viele zivilisierte Erdenbürger –vor allem westeuropäischer Prägung– kaum vorstellbar. Ganz im Sinne des (von mir) hoch-geschätzten Viktor von Bülow sei ein Leben ohne Haustier (in seinem Fall: ohne einen Mops) zwar »möglich … aber sinnlos!« Dabei braucht es gar keine loriotʼsche Vernarrtheit in eine bestimmte Hunderasse, (wie auch im englischen Königshaus zu beobachten, klappt ein Leben ohne Mops schließlich sehr wohl … eben mit Corgis!), für viele ist es einfach nur das Bedürfnis nach einem Gefährten, einem Spielkameraden oder (auch) –und daraufhin läuft es leider in vielen Fällen hinaus– einer ›lebendigen Puppe‹. Im Klartext: einem Wesen, das man umsorgen, verwöhnen und beobachten kann, das –einem Kind ähnlich– viel Zuwendung braucht, jede Menge Mühe und Verantwortung erfordert und dennoch viel Freude und Entspannung bereitet … ohne jedoch irgendwann lästige Widerworte zu geben oder gar eine eigene Meinung durchzusetzen.
Na ja … fast!

Tierliebe-Buzzz GarpasesselIn vielen Fällen ist ›Putzi‹ das Ein-und-Alles der Familie. In manchen Fällen entwickelt das entsprechende Tier geradezu eine Leitfunktion im Kreis der Familie und wird über die Jahre zum Herrscher über Tagesablauf und Gespräch, Einkauf, Besuch und Urlaubsplanung. Wenn sich Herrchen und Frauchen von Falko, Venus, Wotan, Johannes II, Cäsar oder wie immer die bunte Vielfalt an zwei-, vier- oder auch mal achtbeinigen, gefiederten oder auch schuppigen wie schleimigen Hausgenossen benannt wird, zusammensetzen und über ihre Lieblinge zu plaudern beginnen, haben Außenstehende oft den Eindruck, es handele sich tatsächlich um menschliche Wesen, von denen da Alltägliches und nicht-so-Alltägliches berichtet wird. Die Beschäftigung mit dem so genannten ›Haustier‹ hebelt die Logik im Mitteilungsbedürfnis des emotionsinvolvierten Halters ebenso aus, wie es das Logik-Verständnis bei der Aufnahmebereitschaft des kritisch-distanzierten Beobachters verwirrt und fordert.
Putzi, Schnucki, Bello, Hansi etc. … ein ganz normales Haustier?
Ein Haustier ist ein Haustier ist ein Haustier … WIE?

Niemand wird behaupten, dass es normal sei, sich einen Gibbon-Affen als Gefährten zwischen Küche und Wohnzimmer zu halten. Ebenso wenig dürfte ein Känguru im Reihenhausgarten der Hamburger Peripherie auf ungeteilte Zustimmung bei Tierfreunden stoßen … ganz abgesehen von den Zweifeln an der Haltung eines Gänsegeiers im Münchner Penthaus mit Blick auf die Alpengipfel. Exoten gehören in den Zoo und Wildtiere in die Wildnis, in ihr angestammtes Umfeld.
Dass der aufdringlich schnurrende Stubentiger, der freudig schwänzelnde Spaziergangsbegleiter und das Begrüßungen zwitschernde Federvieh im 2 m³ großen ›Flugkäfig‹ genaugenommen ›Wildtiere‹ sind, klammert auch der selbstkritische Tierfreund dabei ganz bewusst aus jeglicher Rechtfertigung für die Haustieranschaffung und -haltung aus.
Putzi ist ein Sonderfall!
Immer … für jeden!
Auch für Putzi selbst?
 

Um die Problematik der Haustierrechtfertigung näher zu untersuchen, sollte man möglicherweise vorab erst einmal sämtliche Vorurteile über Bord werfen und sich völlig unbeleckt, quasi jungfräulich, an die Aufgabe wagen.
Putzi ist also zuallererst einmal gar nicht existent, denn es geht im Beginn jeglicher Überlegungen um die Frage: »Warum möchte ich ein Haustier?«
In der Regel sind die Antworten auf diese einfache Frage ebenfalls recht klar und präzise: Es soll ein ›Spielkamerad‹ für dieTierliebe-Lassy Dress Kinder her, ein ›Begleiter‹ für Spaziergänge oder ein ›Gesellschafter‹ für einsame Stunden … zum Kuscheln, Knuddeln und … zum Liebhaben eben! Damit man nicht nach Hause kommt und es ist keiner da, der einen freudig begrüßt! Damit es eine Aufgabe gibt, die über Beruf und Hobby hinausreicht … im Rahmen eines familiären Ganzen.
Putzi wird quasi ›in die Familie‹ geholt … ähnlich, wie man sich für ein neues Auto entscheidet (man weiß um des Deutschen liebstes Steckenpferd …!) und … tja … zugleich aber auch ein wenig so, wie man als Paar ein Kind plant. Die Entscheidung liegt bei den Entscheidern … nicht beim Objekt der Begierde. Haben wollen! DAS zählt, nicht die Möglichkeiten und Hintergründe, Vorgaben oder eventuell zu berücksichtigende Hindernisse. Auch nicht die Tatsache, dass die Anschaffung eines Haustieres eine Entscheidung für sehr ... sehr viele Jahre sein kann – mit der entsprechend steigenden Verantwortung für ein langsam reifer, kränklich und schließlich gebrechlich werdendes Lebewesen … und den damit verbundenen Kosten. Und obendrein: Putzi soll ja nicht bloß so nebenher laufen. Putzi soll Aufgaben erfüllen und … Erwartungen! Der Wachhund muss Sicherheit geben, die Katze durch wohliges Schnurren gute Stimmung verbreiten, der Fisch im Aquarium die Optik bereichern, der Nymphensittich eventuell Sprechen lernen und den Telefondienst übernehmen …(haha) ...

Stop!

Es gibt wohl auch gewisse Gründe, die Anschaffung eines Tieres nicht in den familiären Bereich zu verlegen! Der ›echte Wachhund‹ ist scharf und lässt außer seinem Herrn und vielleicht noch einer Urlaubsvertretung niemanden an sich heran … geschweige denn ins Haus oder aufs Firmengrundstück, das zu bewachen ist. Der Hütehund soll sich um Schafe, Ziegen oder Rinder kümmern und Katzen auf dem Bauernhof sind in erster Linie für die Mäuseabwehr bzw. die Eindämmung überhand nehmender Nagerplagen gedacht. Der Falkner hält sich sein Tier ebenso wenig nur zur persönlichen Gaudi, wie es zoologische Einrichtungen tun … von wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen will ich hier gar nicht erst schreiben.
Tiere erfüllen schon seit Jahrhunderten die ihnen zugedachten Aufgaben … wenn sie denn für diese angeschafft, aufgezogen und trainiert wurden. Mit der Domestizierung des ehemals ›wilden‹ Tieres hat der Mensch schon sehr frühzeitig in seiner Entwicklungsgeschichte auf fremde Ressource zugegriffen und sie nach allen Regeln der persönlichen Vorteilsnahme zu nutzen verstanden.
Tierliebe-BUZZZ-Brille-miniDas ›Nutztier‹ ist heute allgegenwärtig … in Supermärkten, Discountern, Feinkostgeschäften und Metzgereien ebenso wie in entsprechenden Fachgeschäften: vom Fischereizubehörhandel über den Shop für exquisite Lederwaren bis hin zum Blindenhund auf Zeit. Auch wenn der Ochsenkarren mehr oder weniger aus unserem Alltag verschwunden und der stolze Reiter auf dem nicht mehr ganz so stolzen Rassegaul eher als elitärer Teil der Rubrik ›kostenintensive Freizeitbeschäftigungen‹ zu verstehen ist, das Tier als ›Begleiter des Menschen‹ findet in der aktuellen Moderne eher in den eigenen vier Wänden statt, denn als Unterstützung bei Beruf und privaten Arbeiten. Wenn wir heute von Tieren in der Nähe des eigenen Umfeldes reden, dann meinen wir unsere ›Haustiere‹ … und vielleicht noch ein paar Vögel in den Vorgärten oder auf Spaziergängen durch Wald- und Wiesenlandschaften. Putzi steht für unser personifiziertes Tierverständnis. Im Zoo findet man den Rest einer Artenvielfalt, die sonst nur in freier Wildbahn und –im Regelfall– auf Fernreisen zu bestaunen wäre … da die entsprechenden Wildtiere der heimischen Lande schon vor vielen Jahren zumeist voll und ganz ausgerottet oder doch zumindest sehr gründlich vertrieben wurden. Prominente Ausnahmen gibt es … Wolf, Fuchs, Dachs, Biber und eine Anzahl an Nager- wie auch Flug-Getier macht sich inzwischen wieder etwas breiter in unseren weniger dicht besiedelten Regionen, Dank sei diverser Schutz- und Renaturierungsprojekte. Flüchtlinge der anderen Art … sie stehen sogar unter besonderem Natur- und Artenschutz – nicht immer zur Freude der betroffenen Anrainer … Bauern, Viehzüchter, Gärtner etc.!
Tierliebe hört für Tierfreunde meist dort auf, wo auch das eigene Vergnügen endet. Der Wolf im naheliegenden Wald gefährdet die eigenen Kinder schließlich mit Sicherheit mehr als der schlecht erzogene Köter in Nachbars Garten, der immer wieder den Gartenzaun attackiert, wenn man unbedacht dran vorbeischlendert. Und die Problematik, ob Gänsegeier nun wichtig für die Alpen wären oder nicht, erschließt sich dem Normalstädter wohl eher nicht … oder bleibt von zweitrangiger Bedeutung.

Wir haben ›Putzi‹, um unsere Vorstellung von einer ›heilen‹ Tier-Welt zu verwirklichen. Im Extremfall ist unser Haustier sogar genau nach Wunsch gestaltet. Vielleicht hat es dieses extra weiche Fell, die übergroßen Glupschaugen, die spitzen Ohren oder den drolligen Stummelschwanz *; quasi Katalogware: konfigurieren sie ihren Wunsch-Hund, -Kater, -Hamster, -Papagei … etc.  (* In Deutschland ist das kupieren von Ohren seit 1986 gänzlich verboten, das Kupieren der Rute nur noch in Ausnahmefällen –bei Jagdhunden– gestattet!)Tierliebe-Sambo-Ghorry mini

Ja, früher hatte man als Züchter reale Anforderungen zu erfüllen … für die Jagd, für die Nutztierzucht, für die Vermehrung und Stabilität einer Rasse und ihre erwarteten idealen Eigenschaften. Putzi wird es ohnehin nicht weiter kümmern, welche Zuchtvorgaben ihn zu dem gemacht haben, als der er schließlich verkauft (oder auch mal verschenkt) wird. Denn Putzi soll in erster Linie ›gefallen‹! Und … dafür bekommt er alles, was er braucht (oder auch wirklich nicht braucht), fordert … und auch gar nicht zu wünschen wagte. Putzi darf vielleicht sogar vom fetten Weihnachtsbraten mitessen … in dem an seine Körpergröße angepassten, höhenverstellbaren Schüsselset stilecht serviert. Oder er bekommt die besten Dosen, Aluschälchen mit Gourmet-Mahlzeiten, praktische Snacks mit Zahnputz-Effekt oder für die Reise, Trockenfutter mit wichtigen, lebenswichtigen (!) Mineralien, Ballaststoffen, Vitaminen …
Vielleicht hätte Putzi auch gerne mal einen rohen Knochen, an dem es sich eine Stunde lang herumnagen ließe … aber der macht Mund- und Fellgeruch und das kann in einer 50 m²-Wohnung nahe Hauptbahnhof nicht angehen. Sogar Tierärzte empfehlen ja die Industrieprodukte von Schnappi bis Miauz und Trilli – auch wenn sie den eigenen Tierchen daheim zuweilen was völlig anderes geben sollten … oder –sinnigerweise– gänzlich auf tierische Gefährten im privaten Alltag verzichten.
Putzi jedenfalls, Putzi hat ein eigenes Bettchen, ein eigenes Schränkchen mit Accessoires zum Spazierengehen bei jedem Wetter, den persönlichen Arzt und Fitness-Berater, einen Friseur und –im Zweifelsfall, wenn Herrchen und Frauchen gut bei Kasse sind– sogar einen eigenen Reisekatalog, in dem die besten und exklusivsten Hundehotels gelistet sind. ›Wau und Spa am Oberrhein‹ … logischerweise mit geführten Gassi(/Wander)-Touren durch die ›spektakuläre Landschaft‹.

Putzi steht dabei für all seine Artgenossen und all die anderen, die möglicherweise genauso artig sind wie er … jedoch nie die Möglichkeit haben, die 50 m² der häuslichen Sicherheit zu verlassen. Cleopatra, eine wuchtige Angorakatzen-Dame verlässt ihr Domizil ohnehin ungerne, da sie mit 5 Kilo Übergewicht schon Schwierigkeiten hat, vom Sofa auf ihren Lieblingsschlafplatz am Fenster zu wechseln. Und ihre älteste Schwester, die sie seit frühesten Kindertagen nicht mehr gesehen hat, sie lebt irgendwo in einer anderen Stadt und verlässt das Haus ausschließlich in einem schmucken Transportkäfig … um auf diversen Modenschauen Preise einzuheimsen. Sie hat 2 Kilo zu wenig auf den Rippen, dafür aber immer wohlduftendes, frisch gewaschenes und geföhntes Fell!

Dabei ist nicht ›Putzi‹ selbst das Problem, nicht die Mobilität oder der praktische Nutzen eines Haustieres an sich oder unsere zu einem recht beachtlichen Teil übersteigerte Erwartungshaltung in die Wechselwirkung zwischen dem Menschen und seinem tierische Gefährten. Es ist eher unser elementares und darüber hinaus doch ganz allgemeines Verhältnis zum Tier … von vorneherein … zu jedem Tier!

Tierliebe-Satan auf dem Schoß 1977-miniWir akzeptieren die Haltung eines mittelgroßen Hundes in einer relativ engen Stadtwohnung und verlangen gleichzeitig größere Auslaufflächen für die Geparden im Zoo. Wir gestatten einem Rudeltier das freie Toben und Spielen mit Artgenossen auf der ›Hundewiese‹ … während das Tier daheim ausschließlich von Menschen umgeben ist – eben dort, wo es eigentlich seinen Platz im Rudel bestimmen müsste und notgedrungen hintenan zu stehen hat … als einziges Tier in einer Menschenwelt. Die Entscheidungen des alltäglichen Daseins treffen Menschen für Tiere. Auch wenn die Herrchen und Frauchen ihnen dabei ›jeden Wunsch‹ von den treuen Glupschaugen ablesen wollten, auch wenn ein Winseln oder ein Zerren an der im Gang aufgehängten Leine den Gassi-Wunsch unübersehbar darstellen könnte … entscheiden werden immer Menschen. Wann –wohin – wie lange! Gegessen wird, was in die Schüssel kommt … meist zu viel. Und wenn ein körperliches Leiden dem braven Gefährten allzu große Schmerzen bereitet, dann ›erlösen‹ wir das Tier eben ganz bewusst durch den wohlverdienten letzten Akt in einem Haustierdasein: Einschläfern … na ja … Sterbehilfe! Damit Putzi nicht leidet! Bei Opi, der zuletzt vier Jahre im Rollstuhl saß, gefüttert, gewaschen und gereinigt werden musste und kaum noch klar erkennen konnte, wer sich um ihn kümmerte, hätten wir das nie und nimmer geduldet …! Aber der war ja auch nicht kastriert!

Hundeleben!

Und Putzi steht für sie alle … die eingesperrten Stubentiger, die am Fenster mit zitterndem Unterkiefer die Gartenvögel beobachten dürfen, die Guppys von Blue Sapphire bis Neon Firetail im Sprudelbecken links an der Seitenwand gegenüber dem 55-Zoll-3D-Fernseher, in dem die Sendung ›Wunder der Tiefsee‹ läuft und den Menschen den naheliegenden Gedanken eingibt, dass der Flosser im Glaskasten auf dem Monitor eventuell seine Artgenossen wiedererkennen könne. Die Katze daneben interessiert sich folgerichtig eher für die Sendung mit den sibirischen Tigern … oder eben den unerreichbaren Gartenvögeln, die sie auch aus dem Fenster beobachten kann, aber nie jagen darf!Tierliebe-Ming

Unfrei, bevormundet und betreut in alle Lebenslagen.
Ein durch und durch vermenschlichtes Tierleben!

Zweifellos gibt es das ideale Verhältnis Tier-Mensch auch heutzutage noch … nur vielleicht nicht gerade in Ballungsräumen, Großstädten, Kleinwohnungen. Selbst der kleine Zierfisch benötigt eine natürliche Umgebung zur Befriedigung seiner elementaren Bedürfnisse. Ein Leben ganz ohne Gefahr, ganz ohne Wiederstand und Aufgaben, die es zu lösen gälte … ein Unding. Jeder normale Mensch würde unter ähnlichen Umständen ziemlich rasch geistig verkümmern. Selbst unter der aufmerksamsten Aufsicht von Tierpsychologen und Ärzten kann der Mensch dem Mitbewohner auf diesem Planeten in Gefangenschaft keine adäquate Alternative anbieten.
Logischerweise werden Tiere in zoologischen Einrichtungen auch mit dem Ziel der Arterhaltung gehalten und gepflegt … (im Idealfall Wieder-Auswilderung in Gebiete, aus denen bestimmte Spezies vertrieben oder in denen sie ausgerottet waren). Dagegen gibt es im Normalfall nichts zu sagen. In vielen Fällen ist es jedoch völlig unsinnig, ein Tier im Zoo zu präsentieren … nur damit der naturfremde Städter an schönen Tagen seinen Spaziergang zur Abwechslung woandershin verlegen und dabei vielleicht den Kleinen mal einen Elefanten, einen Löwen, ein Walross, ein Gnu oder auch … eine Vogelspinne in ›Echt‹ zeigen kann. Ein Tier einzusperren mit dem einzigen und alleinigen Hintergrund, der Gaffer Lust zu befriedigen, kann meine Zustimmung ebenso wenig finden, wie die Versklavung eines Wesens rein aus dem Bedürfnis der Unterhaltung heraus.

Ich kenne persönlich nur ganz wenige Menschen, die ein Haustier artgerecht zu halten imstande wären. Meist handelt es sich dabei um betuchtere Zeitgenossen, die über entsprechende finanzielle wie örtliche Mittel verfügen. Einen Park mit Natur-Teich und entsprechendem Getier drumherum und innendrin … das kann sich der Normalbürger nicht leisten. Dabei wäre der Urhund als Jagdgefährte und Wächter hier eher denkbar als in jeder Art von Reihenhaussiedlung mit ihren Miniaturgärten. Trotzdem geht es nicht um Geld allein. Auch wenn ›Putzi‹ einen unübersehbaren Teil des Haushaltsbudgets verschlingt, seine Freiheit wird ihm dadurch nicht erkauft. Das Umfeld muss stimmen und dies ist im Fall eines normalen Solodaseins ohnehin nie gegeben. Der Tierhalter, der einen Hausgenossen ohne Partner zu leben verdammt, hat von vorneherein einen Denkfehler im Konzept. Jedes Tier braucht einen Partner … denn der ursprüngliche, natürliche Lebensinhalt ist unzweifelhaft die Fortpflanzung, und damit verbunden Arterhaltung und Aufzucht der Nachkommen. Jede zweite Doku-Sendung im TV-Alltag weist uns darauf hin, wie das natürliche Umfeld, der natürliche Lebensraum eines Wildtieres auszusehen hat … im Idealfall. Selbst die Sendungen über Wildtiere im Stadtgebiet der einen oder anderen Millionenmetropole zeigen auf, wie sich unsere freien Mitbewohner tagein tagaus zu arrangieren haben, um sich ein Überleben zu ermöglichen … unabhängig von einem Dasein in Sicherheit, ganz zu schweigen von Annehmlichkeiten, von denen ein Tier im Alltagskampf nichts wissen wird. Immer geht es um Familien, um die Aufzucht der Nachkommen, um Futterbeschaffung und Gefahren, die abgewehrt oder zumindest doch eingedämmt werden sollen. Das gilt für jede Krähe, für Füchse und Wildkatzen, Marder wie Mäuse und Ratten. Sie alle leben gefährlich … nichts für Putzi.
Aber sie leben FREI!

Tierliebe-Nero hinter Gittern

 

Nicht wie Putzi!

 

Vor vielen Jahren habe ich mir lange und sehr genau das durch den Kopf gehen lassen, was allgemein als ›Sklaverei‹ bezeichnet wird – und was für mich seinerzeit die Sklaverei in den Vereinigten Staaten Amerikas bedeutete. Über berühmte Romane und Erzählungen wurde mein Interesse geweckt, über Fachliteratur bis hin zum Studium von alten Zeitungsartikeln, Auktionslisten für den Menschenhandel und gar originalen US-Schulbüchern aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts mein Verständnis für das Thema vertieft und schließlich auch meine Abscheu für jene Menschen, die Sklaven gehalten haben, gefestigt. Und … wie viele waren dabei, die ihren Sklaven alles zu geben der Meinung gewesen waren? Wie viele glaubten, ein Schwarzer könne mit seiner Freiheit ohnehin gar nichts anfangen und es sei besser, man würde ihn bewusst führen und an der Leine kurz halten.

Wie Putzi?

Es ist nur die Freiheit, die Menschen mit gewisser Macht von anderen unterscheidet, die nicht selbst über ihren Alltag bestimmen können. Freiheit, die sie sich erworben, ererbt oder auch erkauft haben – die in jedem Fall nur deshalb wirklich ermöglicht wird, weil sie es in der Macht haben, anderen Vorschriften zu machen. Und es sind jene Menschen, die ganz allgemein über die Freiheit und Unfreiheit von anderen Lebewesen auf diesem Planeten bestimmen. SIE entscheiden, weil sie einen Profit anstreben und dieser nur über die Ausbeutung von Natur, Bodenschätzen und Arbeitskraft, also anderen Menschen zu bewerkstelligen ist. Entsprechend verzahnt sich auch das Machtgefüge weiter weg von globalem Finanzwesen und weltpolitischem Kalkül. Im kleineren Maßstab entscheiden die nicht so Mächtigen über nicht so Elementares … Wichtiges. Ob ein Naturschutzgesetz besonders streng genommen oder eher etwas locker ausgelegt werden kann.
 

So entscheidet immer der Mensch, also WIR, ob ein Bär in der wilden Freiheit der Karpaten ungestört leben darf oder ein neues Hotel am Rand einer Vogelschutzzone am Bodensee gebaut werden kann, ohne das Brutverhalten der Zugvögel empfindlich zu stören. WIR bestimmen das Ausmaß der Abholzung im südamerikanischen Regenwald und damit auch die Zukunft all jener Lebewesen, die dort seit Menschengedenken miteinander in ewiger Symbiose leben. In Freiheit.

Nicht wie Putzi, der nicht plötzlich die Türe öffnen und diesem herrlichen Duft der läufigen Nachbarin folgen kann - nicht nur für ein paar lauschige Sommernächte, vielleicht auch mal für ein paar Wochen. Um dann verfloht und zerzaust, von Revierkämpfen gezeichnet, zurückzukehren, um mal nachzuprüfen, was Herrchen und Frauchen so treiben.
Denn die hat er ja trotz allem sehr gerne!

Tierliebe Old Man nackig

© a.zeram 2017

 

Nachtrag:
Für den Fall, dass meine oben dargestellten Ansichten den einen oder anderen weniger geneigten Leser dazu verleiten könnten, mir vorzuwerfen, gar nicht zu wissen, wovon ich da eigentlich schreibe, habe ich als Auflockerung für diesen Text einige private Fotos gewählt, die hinreichend belegen sollten, dass ich lange Jahre selbst Haustiere ›gehalten‹ habe. Nicht nur die Gezeigten …! Und natürlich waren ›meine‹ Tiere sehr glücklich mit mir als ihrem Herrchen!
Einsichten erfahre ich immer erst dann, wenn ich intensiv über eine Sache nachdenke. Das habe ich diesbezüglich sehr lange nicht getan. Seit meinem dritten Lebensjahr bis vor Kurzem! Das sind knapp sechzig Jahre! ZU lange!

 

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