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THEMEN:

021)
Je suis Charlie?

022)
Die Gedanken
sind frei

023) Point of Sale

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ESSAYS und ÜBERLEGUNGEN:  »... meine unbescheidene Meinung«

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021. JE SUIS CHARLIE?
(… zwischen Meinung und Gedankenlosigkeit)

Je ne suis pas Ch

Wer dieser Tage keine Meinung hat, ist ›ein Verräter‹ – ein Feind der Gesellschaft. Wer dieser Tage den Nerv behält, sich über die Medienmeldung hinaus seine eigene Meinung zu bilden … ist der dann ebenfalls ein Feind der anerkannten Trends, ein Verräter … ein Sympathisant mit Tätern gar?

Ganz eindeutig muss ich hier bekennen, dass ich NICHT ›Charlie‹ bin … nicht etwa, weil ich der Auffassung wäre, dass entsprechende verletzte Gefühle der Angehörigen einer Religionsgemeinschaft bzw. Glaubenszugehörigkeit und die Entladung im bekannten Fanal entschuldigt werden könnten, sondern allein aus der Überzeugung heraus, dass auch die sogenannte freie ›Meinungsäußerung‹ nicht grundsätzlich gut und vertretbar sein kann und/oder muss. Das, was für den Einen ganz locker geht, mag für den Anderen ganz einfach ein No-Go sein. Und das sollten sich intelligente Menschen unserer westlichen Zivilisation hinter die Ohren schreiben … verinnerlichen und damit endgültig bestimmen, dass ›frei‹ ein relativer Wert ist.

Wenn ich jemanden beleidige, dann ist das keine ›Freiheit‹ im Sinne der freien Meinungsäußerung oder der oft zitierten und wohl alles rechtfertigenden ›Pressefreiheit‹ … dann ist es zumindest Provokation! Dass hierbei eben diese Provokation auf höchster intellektueller Ebene stattfinden kann, haben in der Geschichte des bissigen Humors nicht nur professionelle Satiriker bewiesen. Satire zieht sich wie ein historischer Leitfaden durch sämtliche Ausdrucksformen mitteilsamer Geister … mit eben den Repressalien durch zivilpolitische Gesetzgebung und religiöse Gebotsdurchsetzung, die so manchem Künstler seine Grenzen aufgezeigt hat – bis in die Neuzeit hinein, bis in unsere Tage!

Es würde ja wohl auch kein zivilisierter Mensch unserer aufgeklärten und liberalen Hemisphäre scharfe Angriffe auf seine eigene Person, seine engste Familie oder beste Freunde, die zum Teil gut unter der ›Gürtellinie‹ liegen,  einfach so hinnehmen und dabei akzeptieren, dass alles ›nur Spaß‹ sei. Dort wo Scherz endet und eine interpretatorische Überantwortung des Dargestellten eine gewisse Lächerlichkeit nach sich zieht, bleibt immer die Frage nach der Definition per se. Was einst bei Todesstrafe verboten war, mag heute gestattet sein; wie früher die Medien mit Obrigkeiten, Meinungen und Überzeugungen umgegangen sein mögen, steht jedoch heute ganz schlicht nicht mehr zur Debatte. Wir sind weiterentwickelt, aufgeklärter, global engagiert, interkulturell vernetzt und dadurch auch irgendwo wissender, erfahrener jedenfalls!

Demzufolge sollten wir natürlich auch bemerkt haben, dass Satire nicht die Aufgabe zu verletzen hat … sondern zu amüsieren und dabei wachzurütteln. Wo ein Angriff auf ein persönliches Empfinden stattfindet, liegt nicht im Ermessen des allgemeinen Verständnisses … es ist durch kulturelle und sozialpolitische Gegebenheiten definiert.

Das, was vor geraumer Zeit in Paris passiert ist, soll in unser aller Bewusstsein für immer eingebrannt bleiben: als ein Akt barbarischer Grausamkeit! Nicht mehr und nicht weniger! Leben auslöschen kann nicht gerechtfertigt werden – weder durch religiöse noch durch staatspolitische Vorgaben.

NIEMAND hat das Recht zu töten! – In manchen Religionen ist dies sogar über Gebote des Allerhöchsten festgeschrieben.

KEIN Gesetz der Welt dürfte eine solche Tat hervorrufen noch entschuldigen.  Nicht umsonst hat die Diskussion um die Todesstrafe bei schwersten Verbrechen nie aufgehört, die Gemüter zu bewegen.

Die Provokation jedoch … die bleibt über die Untat hinaus bestehen. Die Equipe um die Redaktion von Charlie Hebdo hat sich über viele Jahre hinweg immer wieder sogar mit der eigenen Regierung und deren Vertretern angelegt, hat die Warnungen der Zeit mit dem unbedingten Recht auf Pressefreiheit in den Wind geschlagen und ganz bewusst die Gefühle gläubiger Muslime strapaziert.
Viele Christen haben sich seinerzeit an dem berühmt-berüchtigten Titelblatt der ›Titanic‹ mit der Schlagzeile »Undichte Stelle gefunden« gestört. Doch es gab keinen Racheakt dafür … weil die ›freie Meinungsäußerung‹ den entsprechenden Verantwortlichen ›heilig‹ war und noch immer ist – und weil jene, die sich verletzt und angegriffen gefühlt haben, nicht zu einem solch fatalen Schritt bereit gewesen wären! Gefühle werden verletzt … das Leben des Menschen bleibt jedoch außen vor. Es sind WORTE und BILDER, die eine Botschaft transportieren … fast schon wie losgelöst von der Sache selbst. Je nach kulturellem Umfeld ist das mehr oder weniger gestattet … mehr oder weniger normal in den Alltag eingebunden – oder eben nicht!

Jeden Tag kann man im westlichen Raum Cartoons zu den aktuellen Themen aus Politik und Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft in den Medien belächeln … oder sich darüber maßlos aufregen … sich auch verletzt fühlen …

Aber … bis zum Äußersten?

Die meisten trifft ein solcher medialer Angriff nicht persönlich … auch nicht, wenn es etwa die eigene Person, oder die eines von einem selbst gewählten Politiker, öffentliche Würdenträger, die gefeierten Repräsentanten der Medienlandschaft oder die hochgehaltenen Werte der Zivilisation nach unserem Verständnis betrifft. Zwischen Merkel und Jesus geht (in unseren Augen) derzeit alles!

Und da ist es wenig konstruktiv, wenn Verfechter unserer sogenannten Freiheiten darauf verweisen, keiner müsse ja Satire-Blättchen wie ChaHe lesen, geschweige denn kaufen. Wir sind von Feuerland bis zum Nordkap, von den Aleuten bis Tasmanien zusammengewachsen und keinem interessierten Menschen wird es gelingen, jene Nachrichten auszublenden, die es auf dieser Welt gibt.  Nur ein Klick ins Internet, ein Spaziergang durchs Zentrum einer Stadt oder ein abendlicher Zap-Rundgang durch die TV-Landschaften unseres bevorzugten Anbieters … überall lauert auch das, was wir nicht sehen wollen!

Man muss nicht wirklich historisch interessiert sein, um im Hinterstübchen zu konstatieren, dass dies bei uns nicht immer so gewesen, und in sehr vielen Ländern dieser Erde auch heute hoch-aktuell ganz und gar nicht so ist … und deshalb sollten wir vielleicht mit dieser modernen, jedoch sehr vagen Freiheit nicht so unbedacht umgehen! Selbst unsere christlichen Religionsvorschriften beinhalten ja –in Bezug auf das angesprochene Thema der Mohammed-Abbildungen– eine ganz spezifisch peinliche Aussage zur monotheistischen Gottesverehrung:

1. Gebot: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

2. Gebot: Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist.

Ja, ich bin auch einer von jenen, der (nicht nur) die Pariser Terror-Untat vom 7. Januar 2015  verdammt und den Schuldigen ein ewiges Höllenfeuer wünscht … aber ich bin auch einer von jenen, die sich gegen die unbedachte Provokation wenden und an das Gewissen der Presse im Fokus breiter Aufmerksamkeit appelliert. Der Spaß des Einen darf nicht auf Kosten des Leides der Anderen bejubelt werden. So manchen Rufmord hat die Tagespresse zu verantworten, auch schon lange bevor sie mit dem Attribut ›Lügenpresse‹ geadelt wurde. Und die blinden Followers der kritiklosen Leserschaft sollte sich mal überlegen, ob nicht bereits seit Jahren ein Aufschrei des Protestes notwendig gewesen wäre … viel gerechtfertigter als im Fall von dem nur über 60.000 Blättchen dahinkrebsenden ›Charlie‹ … dem es auch über eine sensationelle  Klatsch-Auflage von über 3.000.000  nicht gelingen wird, die Unzahl von Geschändeten, Vertriebenen und Ermordeten zwischen Nigeria, Mali, Syrien und Afghanistan weder zu retten, noch zu rechtfertigen noch zu entschuldigen. Hier geht es nicht um das Problem Europa/den Westen gegen den Mittleren Osten/den Islam! Hier geht es um grundsätzliche Aufarbeitung eines jahrhundertealten Missstandes, der nur seine sekundären Wurzeln im religiösen Gegeneinander haben kann!

JE (NE) SUIS (PAS) CHARLIE!
JE SUIS (PROFONDEMENT) DÉPRIMÉ!
 

 

© a.zeram 2015

 

Weiterführende Gedanken zum Themenkreis auch hier:

007-PRESSEFREIHEIT (Freie Meinungsäußerung I)
008-MEINUNGSMACHE  (Freie Meinungsäußerung II)
009-DIE EIGENE MEINUNG (Freie Meinungsäußerung III)

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022. DIE GEDANKEN SIND FREI (WELTWEIT!)
(… zwischen Vorgabe und Selbstfindung)

Die Gedanken sind frei

Inzwischen hat wohl jeder Normalbürger irgendwann einmal darüber nachdenken können, was es eigentlich bedeutet, eine eigene Meinung –jeglicher Couleur– äußern und auch publik machen zu dürfen. Spätestens mit den Vorfällen des 7. Januar 2015 in Paris wird auch den Zweiflern klar geworden sein, dass die Gedanken in unserem Land ›frei‹ sein dürfen … müssen … sollten! Ungeachtet einer religiösen wie sozialpolitischen Ausrichtung, ohne jeden Zweifel über alle Fesseln und Knebel erhaben!

FREI!
DIE GEDANKEN SIND FREI!
NIEMAND KANN SIE VERBIETEN!
DIE GEDANKEN SIND … frei?

Logischerweise haben wir in der westlich-kapitalistischen Zivilisations-Sphäre umfassendere Freiheiten als jene unserer Mitmenschen, die in Diktaturen, Gottesstaaten oder wirtschaftlich wie sozial maroden Ländern leben müssen. Unsere global ausgeweitete, vor allem finanzielle Absicherung bewirkt kreuzweise auch eine philosophische Unabhängigkeit von den Vorgaben unserer Urahnen. Auch ohne den Segen eines Kirchenfürsten verkaufen sich technische oder medizinische Errungenschaften, lassen sich intermediale Produkte ebenso wie auch kulturelle Einfälle an den Konsumenten bringen … weltweit!

Doch die Kurzsichtigkeit all jener, die sich mit den aktuellen Marketingstrategien oder auch dem Kaufverhalten der angesprochenen Konsumenten (weltweit) befassen, ist –nicht nur unter dem Mikroskop betrachtet– erschreckend! Die sogenannte ›freie Meinung‹ der entsprechenden Käuferschichten hinter einem Produkt sind (weltweit) gesteuert … nicht alleine durch Werbung, sondern auch und vor allem durch Notwendigkeiten, die dadurch implementierte Erwartungshaltung und die finanziellen Mittel, um überhaupt an einer Karussellfahrt im intermedialen Zirkus teilzunehmen. So wie die freie Kaufentscheidung letzten Endes von ganz anderen als den advertisierten Gründen getragen wird, kommt auch dem Verständnis um politische Nachrichten und deren Tragweite (weltweit) eine völlig andere Bedeutung zu als die ursprünglich von Meinungsforschern in komplizierten und langwierigen Studien und Umfragen belegte.

DIE GEDANKEN SIND FREI?

Unsere Gedanken sind so frei, wie es unser Alltag zulässt!

Verseucht durch eine Flut von Medienmeldungen, Werbespots, Clips in TV und Filmen … ja selbst über Apps auf Mobiltelefonen … kommen den freien Gedanken alleine schon im Lauf eines einzigen Tages so viele Stolpersteine in die Quere, dass von Freiheit eigentlich nur noch dann die Rede sein sollte, wenn der angesprochene Mensch/Denker tatsächlich frei von jeglichem Außeneinfluss entscheiden und urteilen könnte.

Wie auch soll denn der politisch engagierte und interessierte Bürger Lug und Trug von Schein und Wahn, Sinn und Zweck oder Wahrheit unterscheiden können, wenn er auch nur einmal pro Tag unabhängig von jeglicher ideologischer Zugehörigkeit erst eine Zeitung, dann einen Nachrichtensender und schließlich eine Internet-Seite konsultiert, um seinen Informationshunger zu stillen? Zwischendurch könnte er noch auf der Web-Seite seines Mail-Anbieters, durch einen Link auf seinem Einkaufsportal oder ganz arglos in einem Gespräch mit anderen Interessierten zu ›Meinungen‹ umgeleitet worden sein, die ihn am Tagesende in solche Verwirrung stürzen müssten, die jedem selbsteinschätzenden und wachen Bürger den wohlverdienten Nachtschlaf rauben würden.

FREI?

Freiheit scheint eher dann ins Vokabular der Meinungsverteiler aufgenommen zu werden, wenn es darum geht, einem willigen Meinungsaufsauger eine Legitimierung zu offerieren … für was auch immer.  Seiʼs das neu entwickelte, supersaubermachende Waschmittel, der schnittige Familien-Mini-Van mit 230 KW oder die Tiefkühlpizza ›wie beim Italiener um die Ecke‹ … oder auch der neueste Super-Blockbuster im Kino (und gleichzeitig auf DVD-BD, nebst Video-Portal-Download) – beziehungsweise das für die nächsten Jahre unverzichtbare Parteiprogramm als Ergänzung zu einem besonders wichtigen EU-Beschluss aus Brüssel und Straßburg.

FREI?

Wir erinnern uns vielleicht vage daran, vor 2014 niemals von einem Satire-Blättchen mit dem unaussprechlichen/unverständlichen Namen ›Schaaarliiheppdoh‹ gehört zu haben … und daran, dass irgendwann der Nachbar (natürlich  –  der … nicht wir selbst!) eines der raren Exemplare von den über 3 Millionen der Neustartauflage eben dieses Satire-Magazins stolz ergattert hat ... wie eine Trophäe, wie den Beweis dafür, ›dabei‹ gewesen zu sein! Der Zeitwert einer Medienmeldung und ihre Wirkung auf die konsumierende Bevölkerung lässt sich nicht über logische Überlegungen und präzise durchgerechnete Tabellen erklären – hier spielt das Gesamte einer Komplexität dem innerlich gefühlten Selbstfindungsgedanken einen fatalen Streich.

Vielleicht erinnern wir uns auch daran, dass dem entsprechenden Nationalteam unserer liebsten Massensportart in belustigender Regelmäßigkeit vor jedem entscheidenden Turnier der totale Untergang prophezeit wird … um dann den gewonnenen Titel umso haltloser und arroganter zu feiern.

Einst gab es tatsächlich einsame Rufer in der Wüste, die sowohl dem Automobil wie auch dem Telefon nur eine ›kurze Lebensdauer‹ beschieden haben … und noch vor knapp zwanzig Jahren erdreisteten sich manche selbsternannten Propheten dem Internet ein baldiges und definitives AUS vorauszusehen. Doch ihnen allen und all ihren Anhängern (so viele es auch –weltweit– gewesen sein mögen) wurde dasselbe Schicksal zuteil wie jenen vor Unmut schreienden Parisern, die bei der Errichtung des Eifelturmes sozusagen das Ende der Zeiten herannahen sahen.

Welcher Pariser möchte heute schon seinen ›Tour‹  missen …?

Aber … haben die FREIEN GEDANKEN bewirkt, dass wir heute Paris mit dem spitzen Stahlkonstrukt im Kopf haben? Sind unsere Gedanken so FREI gewesen, dass wir vom Model T eines Herrn Ford bis hin zum Formel-1-Boliden jegliche Art der Mobilität befürworten? Sind unsere Gedanken frei, wenn wir uns im Bestreben umweltschonender Maßnahmen Photovoltaik-Anlagen aufs Dach montieren lassen, für deren kostengünstige (nicht billige!) Produktion ganze Landstriche in China oder sonst wo verseucht werden?

DIE GEDANKEN SIND FREI!

Ja … wenn sie ganz für sich dahinschwelen dürfen – ohne jeden Bezug zur Realität.
Philosophen, romantische Schriftsteller, Träumer und Idealisten, die auf Nachrichten verzichten, dürfen unter Umständen von sich behaupten, völlig unbeeinflusst zu sein … auch wenn das ziemlich schwer vorstellbar ist – in unserer heutigen Zeit!
Wie heißt es dem wohlbekannten Volkslied an einer besonders prägnanten Stelle?
»Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
die Gedanken sind frei.«

DIE GEDANKEN SIND FREI … wer kann sie verbieten?

Niemand! Und das brauchtʼs auch gar nicht.  Wäre im Endeffekt sogar kontraproduktiv. Die Obrigkeiten/Lenker/Leiter wollen längst nicht mehr verbieten, denn sie haben eingesehen, dass der Mensch am willigsten folgt und am genüsslichsten zu manipulieren ist, wenn er sich selbst in der vermeintlichen Entscheiderposition sieht. Das Denken und Nachvollziehen wird also jenen übertragen, die eine dicke Pille schlucken sollen … um ihnen damit Verantwortung zu übertragen: Eigenverantwortung! Verbote … möglichst nur noch im Rahmen legislativer Maßnahmen … die ohnehin keiner versteht, und deren praktische Deutung, Auslegung wie Umstrukturierung die Sache von Juristen ist. Verbieten war gestern … vorbei! Hat über Jahrtausende nie so richtig und nachhaltig geklappt! Immer wieder hat es dann Rückfälle in eine Phase des Selberdenkens, Selbsterkennens und schließlich Selbstbestimmens gegeben – grundsätzlich eine Destabilisierung erreichter Werte und Sicherheiten (der Obrigkeiten)!

Heutzutage wird mit der Eitelkeit der Zielgruppe ganz geschickt gespielt. Es bedarf dabei gar nicht einmal mehr der verdeckten oder unterschwelligen Mitteilung. Ganz offen und klar wird dem Konsumenten/Bürger/Mitmenschen eingeimpft, dass er selbst entscheidet:

Du willst es?
Du kriegst es!
Yeah!Holʼs Dir!
JETZT!DEINE GEDANKEN SIND FREI!

 

 

© a. zeram 2015

 

 

Weiterführende Gedanken zum Themenkreis auch hier:

007-PRESSEFREIHEIT (Freie Meinungsäußerung I)
008-MEINUNGSMACHE  (Freie Meinungsäußerung II)
009-DIE EIGENE MEINUNG (Freie Meinungsäußerung III)

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WER DIESES ETWAS UMFANGREICHERE ESSAY NICHT ONLINE LESEN MÖCHTE,

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023)  POINT OF SALE 
                (Zwischen Bank und Sofa …)

POS-Weltkugel-mini

Was sagt dem kritischen Bürger das Kürzel ›PoS‹ bzw. ›POS‹? Vorausgesetzt, dass hier kein fehlendes ›t‹ (für ›Post‹!) bemängelt wird, hat der dazugehörige  Begriff Einzug ins innerdeutsche Sprachverständnis gehalten … jedenfalls für die Generationenspanne, deren Geburtsalter knapp vor oder im Computerzeitalter liegt, der Anglikanismen kein Frevel sind, für die Worte wie  ›manager‹ – ›general manager‹ (GM) – ›business executive‹ (BE) – ›chief executive officer‹ (CEO) kein Wesen vom anderen Stern bezeichnen, sondern eine modernisierte Form des üblichen und allzeit bekannten ›Geschäftsführers‹.

Mother Wiki explains: »Der Begriff Verkaufsort (Point of Sale, PoS) bezeichnet den Ort, an dem der Verkauf vollzogen wird. Für den Käufer (Link: Konsument) ist es die Einkaufsstelle (Point of Purchase, PoP), also der Ort, an dem der Kauf vollzogen wird.«

Alles klar?

Unabhängig davon, dass es sich gerade innerhalb der letzten Dekade internetöser Entwicklungen zu einem Gefahrensyndrom ausgewachsen hat, ›online‹ einzukaufen, gibt der stationäre Einzelhandel (also da, wo der PoS und der PoP stattfinden sollten) sich noch lange nicht geschlagen. Dem gewaltigen Perserheer aus Amazonien stehen zwar nur entfernte Nachfahren der berühmten ›300‹ Fatalisten gegenüber, die schon einmal für historisches ›Aha‹ und Oho‹ gesorgt haben … doch, wo ein Wille ist, da gibt es auch immer wohlwollende Käufer und … solange die Idealisten unserer Hemisphäre nicht ausgestorben sind, wird sich auch noch der eine oder andere ›Laden-um-die-Ecke‹ halten können!

Ich möchte hier auch nicht die Diskussion für oder wider die Online-Hörigkeit des Bequem-Bürgers vom Zaunpfahl brechen, denn dafür wäre es ohnehin schon lange zu spät.  Mir geht es vielmehr um die Zukunftsplanung der Allgemeinwirtschaft im Gesamten.  Also … das, was zwischen Produzenten, Vertriebsweg und Konsumenten/Käufern an erkennbaren, prognostizierbaren und –vor allem– zu befürchtenden Entwicklungen greifbar  ist/sein wird. Die Zukunft des generellen Einkaufsverhaltens ebenso wie die mögliche Anpassungsfähigkeit einer von (offensichtlich) unsichtbarer Hand geleiteten Spaßgesellschaft.

Geiz ist geil!

Wir sind nicht blöd!

Wir machen den Weg frei!

Du willst es … Du kriegst es!
(Leider meist ohne es zu wissen!)

Beispiel BANKGESCHÄFTE!
(Wie, wieso das denn? Die verkaufen doch gar nichts! – Doch! Aber ja … eine Bank arbeitet mit fremden Mitteln, die sie erst einkaufen muss. Die entsprechend lukrativen Dienstleistungen erfolgen daraus. Nur ist hier Kauf / Einkauf in der Regel nicht mit dem sichtbaren, über geraume Zeit anhaltenden Waren- oder Erlebniswert gesegnet. Ausnahmen wie Immobilien sollen hier nicht weiter ausgeführt werden. – In einer Bank wird genaugenommen mit Zahlen gehandelt … und gerade deshalb ist dies ein besonders klares und einfaches Beispiel für die Vorgänge an einem POINT OF SALE!)

EURO in GOLDAlso:  Beispiel BANKGESCHÄFTE!
Der POINT-OF-SALE (bzw. der PoP) dieses immens einflussreichen und dementsprechend wichtigen (wie auch unverzichtbaren) Wirtschaftszweiges ist die klassische Bankfiliale. BürgerIn hat dort das unerlässliche  ›Gyro‹-Konto (es  gibt tatsächlich Verdiener, die dieses Wort so schreiben, weil es beim freundlichen Chef  Stavros vom Restaurant ›Olympia‹ nebenan solch eine Speise gibt!), hat mit dem in rascher Folge ausgewechselten/intern rotierenden ›Berater‹ ein paar Daueraufträge und eine Sparrücklage eingerichtet … und das warʼs dann meist auch schon.

Früher (ich rede von unseren Urvätern und-müttern) holten man sich beim persönlich bekannten Bankangestellten am mit Sicherheitsglas geschützten Kassenschalter sein Bargeld, gab einem anderen (persönlich bekannten) Mitarbeiter der Bank des Vertrauens Überweisungen zu angefallenen Rechnungen in Auftrag, wünschte als Extra zwischen dem postalisch erledigten Kontoauszugversand eine Info zum Kontostand oder beschaffte sich die entsprechenden Devisen fürs gewählte Urlaubsland. Die Extra-Flasche Sekt oder die Pralinen für die besonders hoch geschätzten  Mitarbeiter einer Bank –etwa zu Weihnachten/Silvester/Neujahr– gehörten hier ebenso dazu wie –oft auch heute noch– zur Praxis des Hausarztes. (Siehe Schlussabsatz dieses Essays!)

Heutzutage alles hinfällig! In einem schmucklosen, Sonn-Feiertags sowie auch nach Geschäftsschluss zugängigen Vorraum zur eigentlichen Bank gibt es die POS-Terminals (!), die dem legitimationsfähigen Kunden alle –ohne persönliche Unterschrift zu tätigenden– üblichen Bankgeschäfte erlauben.

In der Regel eröffnet der Bürger sein Konto (wenn nicht ohnehin online, dann doch nur mit Termin irgendwo ganz im hintersten Bereich der Bank … bei einem nie zuvor gesehenen Mitarbeiter des Hauses), richtet einige Daueraufträge oder auch mal einen Sparvertrag ein … und sieht dann seine Bank so gut wie nie wieder von innen. Bargeldabhebungen, Kontoauszüge, Überweisungen … wurde längst alles in den zuvor genannten Vor-Raum verbannt. Einige Banken ermöglichen dort gar das Wechseln in fremde Währungen.

Die Frage nach einer persönlichen Beratung sollte (wenn schon!) mit einer größeren Investition oder (doch zumindest) einem vernünftig abgesicherten Kreditwunsch zu tun haben. Devisengeschäfte werden mehr und mehr als unnötige Belastung empfunden (warum bleibt der Kunde nicht im Euroland?), Verwirrung oder Unklarheiten am Terminal draußen vor der Schalterhalle früherer Epochen zu beseitigen wurden die modernen Banker nicht ausgebildet. Da kann schon mal die 85jährige Frau XYZ, seit 55 Jahren treue Kundin, die Unvorsichtigkeit begehen und darum bitten, einen mehrseitigen Überweisungsträger auszufüllen … oder doch vielleicht dabei zu helfen, wie das mit den neuen IBAN, BIC und diesen Sachen gehe, weil sie doch überhaupt keine Ahnung von dem modernen ›Zeugs‹ habe. Bei entsprechendem ›Costumer-Traffic‹  bleibt dem Normalbanker einfach keine Zeit für solch aufwändige und dazu noch unrentable Dienstleistungen. Zumal die Bank an jeden Kunden einen ›persönlichen‹ Rundbrief (Sehr geehrter Kunde XCYZ) oder/und eine E-Mail mit detaillierten Erklärungen verschickt hat. Zumal das alles doch –bitteschön– inzwischen sowieso allgemein bekannt sein sollte …! Zumal vielleicht noch ein weiterer Kunde da steht und einen unzeitgemäßen analogen Wunsch zu hegen scheint. Er wedelt ungeduldig mit einem Blatt gedruckten Papieres … DIN A4 – voll beschrieben!

Ja, die ›brave‹ neue Welt (brave new world) des Herrn Huxley hat all dies nicht berücksichtigt und auch Orwells Schreckensszenarien kommen nur entfernt an das heran, was der heute Lebende auf dieser Erde evolutionär alles durchmachen muss.
Nach und nach geht der technisch aufgeschlossene Bürger jedoch trotz aller Gutmütigkeit gefrustet in die Offensive, besorgt sich seinen Online-Zugang, richtet alles an Sicherheitsschranken zwischen eTAN(Transaktionsnummer) und smartTAN, secure-mail und ghost-internet-account ein … sieht seine Bankfiliale überhaupt nie und zahlt all überall nur noch mit Karte – plastic money (vor Ort im richtigen Leben!) oder … per virtuellem Datenaustausch via Abbuchungsvollmacht, Kreditkartennummer oder etwa PayPal (eBays ›Bezahlfreund‹ … was und wer sonst!)!

Vorlage Geldautomat-miniSchließlich führen die Geldautomaten und die kleinen (auch mobilen) Zahlungsmodule in den Kassen der Geschäfte gleichfalls ein POS … in der Bezeichnung! – Point of Sale. HIER wird das Verkaufsgeschäft abgeschlossen, denn es zählt ja ohnehin nur noch die Zahlung! Das, was früher einmal (i. e.: in grauer Steinzeit des Verkaufsgeschäftes) der Anreiz gewesen sein mag, sich mit einem ›Berater‹ an einen Tisch zu setzen, scheint längst verloren gegangen zu sein. Die menschliche Komponente – also persönlicher Kontakt, Händedruck, persönliche Bekanntheit, Ehrlichkeit, Vertrauen – wurde schon vor Jahrzehnten durch algebraische Werte ersetzt und heutzutage durch Codes, Passworte und Sicherheitsabfragen (›Wie hieß ihr erstes Haustier?‹) personalisiert. Gäbe es den Post-Ident für Internet-Geschäfte nicht, wüssten wahrscheinlich viele jüngere Bürger gar nicht, dass die Post auch Briefe zustellt und tatsächlich (welch Wunder) die beim Einkaufsportal bestellten Waren (zusammen mit anderen Dienstleistern) an die Haustüre, zum Nachbarn oder an die Packstation (bzw. den gewählten Paketshop) liefert.
So sieht es inzwischen aus: Die Bank des Vertrauens, ›meine Bank‹ … benötigt keine Filiale mit menschlichen Ansprechpartnern mehr. Eine repräsentative Schalterhalle könnte getrost einem Versammlungsraum im Golfresort weichen, der für die wirklich potenziellen Kunden reserviert wäre. Mit ›Erdnüssen‹ (Peanuts) gibt sich der moderne, Global-Banker nicht mehr ab. 

POINT OF SALE!

Gerade im Hinblick aufs allgemeine Bankwesen (und hier im spezifischen Hinblick auf den Normalbürger, der ja auch seine Kartenzahlungen/Überweisungen für ›Hardware‹-Einkäufe über die gewählte Bank seines Vertrauens abwickelt/bzw. abwickeln lässt) beginnt für mein Verständnis der gewählte Begriff fürs eigentliche Geschäft in die Irrealität abzudriften. Wir bezahlen mit Geld, das es nur noch virtuell gibt, verschieben Summen in einem nur vage zu definierenden Zeitkontinuum und leisten uns einen gewichtigen Prozentsatz unseres Lebensstandards auf Kredit. Ein Konto leicht (oder auch nicht wirklich leicht) zu überziehen, gehört inzwischen zum Alltag wie der umfangreichere Kreditvertrag zur Autofinanzierung. Und es stört eigentlich niemanden, dass der Normalbürger für seine neue Rennsemmel oder die unbedingt nötige Familienkutsche längst seine Seele als Gegenpfand bei der Bank hinterlegen muss, während die in Finanzkrise geratenen Spekulationsfabriken mit Milliarden-Spritzen am Leben erhalten werden … um dann (völlig ohne POINT OF SALE, der schließlich in der weltweiten Grauzone angesiedelt ist) die erhaltene Unterstützung ins nächste Roulette-Spiel zu investieren.

Im klassischen Verkauf von handfesten Waren (also dem, was hinter den Zahlenkonstrukten auf den Börsenanzeigetafeln steckt) lässt sich ein POINT OF SALE freilich noch begründen, fordern … oder auch entschuldigen. Der Schilderwald mit Anzeigen zu Angeboten, heruntergesetzter Ware, Aktionen und neu-Eingetroffenem wird nicht nur in Großläden, Discountern und den verbliebenen Filialen der –ehemals omnipräsenten– Kaufhäuser gepflegt. Selbst die letzten Überlebenden des klassischen Einzelhandels haben die Macht der Werbung erkannt und pflastern ihre Schaufenster mit grellbunten Sternen, in denen die Rabatt-Werte prangen: -40 %, -50% …!
Da kann auch der historische Winter- oder Sommerschlussverkauf nicht mehr gegenspielen, denn … längst ist Ausverkauf das ganze Jahr über. Gerade die Internetanbieter haben herausgefunden, wie man zu jeder Jahreszeit und jeglichem Anlass eine Rabattaktion rechtfertigt. Das macht Schule!

Immerhin: So mancher prosperierende Versandhandel hat nach reiflicher Überlegung Ladengeschäfte installiert, um dem Kunden vor Ort (am neugeschaffenen PoP) über mehr Service auch noch eventuell sensorische Erlebnisse zu vermitteln, die im Internet-Shop nicht zu verwirklichen wären. Ein Weinhandel zum Beispiel lebt unter anderem nicht nur von Schnäppchen und nachvollziehbaren Verkostungsnotizen einiger renommierter Marktlenker, hier entscheidet oft nur der eigene Gaumen. Und das gute Tröpfchen selbst zu testen … dazu bedarf es eben eines realen POINT OF PURCHASE … weit über den Warenkorb und den Button »JETZT ZUR KASSE GEHEN« hinaus.

Andererseits hat so mancher Großversender gezeigt, wie man die Mundpropaganda früherer Zeiten ins moderne Business einbaut: ›Kunden, die das gekauft/angesehen haben, was Sie sich … haben auch gekauft/angesehen …‹ Ja, kennt man. Dazu dann Bewertungen … 4,5 Sterne bei 467 abgegebenen Rezensionen zu einem Produkt – mehr oder weniger laienhaft abgefasst, jedem Deutschlehrer ein Beweis für den Untergang der Muttersprache und obendrein nicht immer logisch nachvollziehbar. (›Produkt kam einen Tag zu spät als Geburtstagsgeschenk … 1 Stern, weil weniger nicht geht! Zurückgeschickt!‹ – ›Tolles Teil. Vorgestern bestellt und schon heute geliefert. Gleich ausgepackt … sieht geil aus! 5 Sterne!‹) Allerdings gibt es auch Käufer, die offenbar nichts sonst zu tun haben und denen dann ein Bewertungstext von über 2000 Zeichen mit allen erforderlichen Alternativen und Details zum Produkt einfällt. Das kann unter Umständen sehr nützlich sein … vor allem im Bereich Elektronik. Und wer unsicher ist, postet einfach noch schnell eine Frage, die dann meist rasch von der angeschlossenen Community beantwortet wird.

Gegen ein gut funktionierendes Forum kommt ohnehin kein Ladengeschäft an … es sei denn, Inhaber/Verkäufer sind wirklich kompetent und kennen sich perfekt mit dem aus, was sie da verkaufen.
Hier wird der POINT OF SALE im Idealfall zur Kommunikationszentrale.  Der Buchhändler meines Vertrauens kennt sich auch mal mit Wein, Kinofilmen, Gartengerätschaften oder Möbeln aus, hat nebenher einen interessanten Restaurant-Tipp, und ganz nebenher kennt er vielleicht meine Vorliebe für diese und jene Art von Sachbuch, zu der gerade eine Neuerscheinung angekündigt wurde. Da hat mein Metzger frische Innereien oder ein besonderes Stück Wild direkt vom Jäger, am Marktstand bekomme ich zu meinem ersten Spargelkauf gleich noch einen Gratis-Beutel Bruch ›für eine feine Suppe‹ …
Da macht der POINT OF SALE so richtig Spaß.

Der vergeht einem spätestens dann, wenn nach viertelstündiger Suche nach einem Mitarbeiter im Baumarkt ein ahnungsloser HiWi keine einzige von drei –als ganz normal, als leicht empfundenen– Fragen beantworten kann und man nach einer weiteren Viertelstunde und drei Besuchen in drei verschiedenen Abteilungen erklärt bekommt, dass es ›sowas‹ – obwohl erst in der Vorwoche bei der Konkurrenz erworben – gar nicht gäbe …!
Langwierige Suchmärsche durch die Einkaufsstraßen unserer Städte prägen den gutwilligen Förderer klassischer Einzelhandelsgeschäfte ebenso wie die Verfügbarkeit etwas ausgefallenerer Waren in eben diesen Geschäften. Logischerweise erwartet der verständige Konsument nicht, dass eine Million Produktalternativen immer und überall vorrätig sein müssen. Ärgerlich allerdings, dass gerade in den Örtlichkeiten, die für ihre Produktvielfalt bekannt sein sollten, das Personal ohne jegliche zu erwartende Allgemeinschulung herumsteht und kaum die zwei bis drei Rayons in unmittelbarer Nähe halbwegs im Griff hat. Kommt dann noch ein gewisser, fühlbarer Missmut hinzu, wirkt der Verkäufer im günstigsten Fall deplatziert … im ungünstigsten: abschreckend.

102px-Electronic_Cash_Logo.svgDie Inkompetenz bzw. Unfreundlichkeit eines einzigen Verkäufers treibt natürlich kaum jemanden in die Fänge der weltweit agierenden Versandkonzerne und ihrer angeschlossenen Datenkraken. Über die Jahre stellt der mehr und mehr unter Zeitmangel leidende Bürger jedoch fest, dass es gewisse Branchen gibt, die ohnehin meist von Großkonzernen bedient werden … es daher unterm Strich egal bleibt, ob vor Ort am PoP oder online von daheim, gemütlich im Sessel lungernd, gekauft wird. Es mag den Angestellten im stationären Handel zwar nicht wirklich bewusst sein, aber jeder schlecht beratene, mäßig zufriedene oder gar unzufriedene Kunde wandert eventuell ins Online-Geschäft ab und findet sich dort (aller Wahrscheinlichkeit nach) bei den Majors wieder, die innerhalb der nächsten zwei Dekaden (vorsichtig geschätzt) den Markt mit ziemlicher Sicherheit komplett und alleine beherrschen werden. Zulasten all der Arbeitsplätze, die es heute noch im realen Warenverkauf gibt!

Das Warengeschäft zielt in diese Richtung, weil nur eine Minderheit sich gegen diese Entwicklung sträubt … Käufer wie auch Anbieter! (Das sollte berücksichtigt werden. Schuld sind nicht immer nur die bösen bequemen Kunden, die ihre Einkäufe ganz entspannt auf Balkonien erledigen wollen.) Electronic_cash_Logo-PIN-Pad.svgDer missmutige Verkäufer trägt hier eben so viel Verantwortung wie der Kunde, der zu faul ist, in drei verschiedenen Läden seine Einkäufe zu besorgen.  Inkompetente oder gar falsche Beratung hat es immer gegeben, doch der Konsument hat ganz schlicht mehr Alternativen als zu unserer Vorväter Zeiten. Wenn Laden E nicht bietet, was man verlangt, die Mitarbeiter in Laden F völlig unbeleckt und die in Laden G unfreundlich sind, geht niemand mehr zum Laden H … da wird ganz schlicht und einfach in Zukunft (wenn auch bedauernd) online geordert.

Aeskulap-StabNach Meinung vieler Kranker / Arzneibedürftiger finden sich die besten Tipps ohnehin im Netz und die günstigsten Preise beim virtuellen Apotheker. NOCH darf einen der Arzt befingern, wennʼs  wo fehlt, doch auch hier dürften die Computerexperten in naher Zukunft Abhilfe schaffen. Dann wandert auch für diesen Bereich der PoS ins eigene Wohnzimmer … mit einem PC-Terminal, dem neben Stethoskop, Blutdruckmesser und Magensonde nur noch ein paar Extrautensilien mit USB-Anschluss oder Bluetooth verpasst werden müssen, um die Online-Untersuchung perfekt zu gestalten. Der zentrale Home-Server erhielte dann ganz neue Aufgaben und Verantwortungsbereiche zugeteilt.

›Wir danken für Ihren Besuch im WWW-MED-CENTER.
Beehren Sie uns bald wieder.‹
(Kunden mit vergleichbaren Beschwerden haben sich
auch diesbezüglich untersuchen lassen:
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Zum Wohlsein!

 

 

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