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THEMEN:

007
Pressefreiheit
(FMÄ I)

008
Meinungsmache
(FMÄ II)

009
Die eigene Meinung
(FMÄ III)

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ESSAYS und ÜBERLEGUNGEN:  »... meine unbescheidene Meinung«

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07 - PRESSEFREIHEIT   
(Freie Meinungsäußerung I)

Meinungsmache farbig

In den Gesetzesbüchern sind die Rechte eines Bürgers in einem demokratischen Staat ebenso detailliert aufgeschlüsselt wie –auf der anderen Seite– seine Pflichten. Eine Fülle von Paragraphen befasst sich dabei –über den weitgefassten Begriff der ›Freiheit‹ mit den Pflichten und Vorgaben, die es im medientechnischen Bereich gibt. Eng angelehnt an sozialpolitische Richtlinien gibt es da unter anderem einen ›Informations-Auftrag‹  der öffentlichen Presseorgane, der sicherlich von ernsthaften Berichterstattern als ›Bürger-Pflicht‹ im rechtlichen Sinne verstanden wird.
Wie eng hier Recht, Pflicht und eine freie Interpretation beider Begriffe auf die sogenannte Pressefreiheit Einfluss nehmen, Planungen und Handlungen davon bestimmt werden, was Notwendigkeit bedeutet und wo Privatsphäre endet, wo Information sinnvoll ist und wo sie in reinen Klatsch und Tratsch oder auch unbedachte Panikmache abgleitet, kann sicherlich nicht jeder Bundesbürger ohne weitere, strenge Überlegungen beantworten. Schließlich will ja jeder seine Infos … aus der Tageszeitung, dem Radio, dem Fernsehen und natürlich übers Internet.

Dabei ist es doch beruhigend, mit der Sicherheit aufzuwachen, in einem Land zu leben, das seinen Bürgern einerseits die uneingeschränkte Meinungsäußerung zugesteht und andererseits auch den Presseorganen die Möglichkeit gibt, über alles und jeden vorbehaltslos Bericht zu erstatten.

»Die Gedanken sind frei!«, heißt es in einem alten Volkstext, der eine Thematik aufgreift, die es im (überlieferten) literarischen Bereich seit der Antike gibt.
      
»Die Gedanken sind frei.
         Wer kann sie erraten?
         Sie rauschen vorbei,
         wie nächtliche Schatten.
         Kein Mensch kann sie wissen,
         kein Jäger sie schießen.
         Es bleibet dabei:
         Die Gedanken sind frei!
«
Das sollte man bei jeglicher Überlegung immer im Hinterkopf behalten, denn tatsächlich beschränkt sich wohl die reale Freiheit eines Einzelnen immer auf seine Gedanken. Bereits mit der Niederschrift eines Einfalls, mit der mündlichen wie auch schriftlichen Weitergabe, sowie der –schließlich über moderne Medien– weltweit verfügbar gemachte und vervielfältigte Mitteilungen sind bereits einer Vielzahl von Gesetzen, Regeln, Rechten und Pflichten untergeordnet und daher … nicht mehr frei!
Die PRESSEFREIHEIT ist dafür ein kapitales Beispiel!
Theoretisch kann die Presse –egal in welcher Form die Nachrichten und Meldungen auch veröffentlicht werden– immer, überall und uneingeschränkt wirken. Theoretisch!
Oft genug dringt sogar über die offiziellen Organe die Meldung bis zum Konsumenten durch, dass eine ›Nachrichtensperre‹  verhängt worden sei oder dass gewisse Meldungen aus Gründen der ›Vertraulichkeit‹ nicht weitergegeben werden sollten. Dann weiß der auf ungebrochenen Informations-Fluss bedachte Bürger, dass es hier um Dinge geht, die er nicht unbedingt zu wissen braucht – ja, die er gar nicht wissen darf! Die Tatsache alleine, dass eine Information ganz offiziell gekappt oder unterdrückt wird, belegt jedoch schon wieder die freie Meinungsäußerung, indem darauf hingewiesen wird, dass es hier Einschränkungen gegeben hat.
Und das ist wohl gut so, denn gewisse Meldungen dürfen ganz schlicht nicht unkontrolliert weitergegeben werden. Der Serienmörder, dem die Ermittler eine Falle stellen, die terroristische Vereinigung, bei der man einen V-Mann eingeschleust hat … nicht nur solche Sonderfälle vertragen keine öffentliche Medienpräsenz. Wie schlimm es daneben gehen kann, wenn die geheim gehaltenen Fakten dann doch weitergegeben werden, hat man bereits immer wieder sehen müssen. Die im Fernsehen übertragene Geiselnahme, die Verfolgungsjagd … man sollte den entsprechenden Stellen ihre Arbeit nicht unnötig erschweren.
Dabei: Der Endkunde WILL ja die Informationen. Es ist doch besser als im Film … realer, packender – das Leben selbst! Der schreckliche Mord an einer öffentlichen Person … wie oft wird er gezeigt in den Nachrichten? Bis zum Abwinken … bis die Zuschauer so sehr abgestumpft sind, dass sie die Meldung nicht mehr sehen wollen … bis sie nach ›Neuem‹ verlangen. Aber dann haben sie vielleicht den Star-Trainer einer Fußballmannschaft, der seine Entlassung nicht vom Arbeitgeber, sondern über die Medien erfährt. Im Zweifelsfall wird einem Star sogar ein Selbstmord oder auch ein sonstig irgendwie vermarktbares Ableben untergeschoben … wenn nur der Informationsfluss gewahrt bleibt.

Und das ist wohl die Krux der ganzen Angelegenheit: Der Endverbraucher – also der Zeitungskäufer, Radiohörer, TV-Zuseher und Internet-Nutzer – möchte Informationen haben. Alle Informationen! Und damit fordert er die zuständige Industrie heraus, denn was soll man anbieten, wenn gerade mal nichts wirklich Wichtiges zu passieren scheint?
Dem einen ist es wichtig zu erfahren, was gerade im Bundestag diskutiert und beschlossen wird, der nächste wartet auf die aktuellen Sportergebnisse und weder andere möchten endlich erfahren, ob ihr Idol jetzt gebunden ist oder immer noch zu haben! Keine Sache … dazu sind Presseorgane da, dafür rennen ganze Legionen versierter Journalisten aus allen Sparten des menschlichen Wissens, Denkens und Tuns herum, sammeln Informationen und veröffentlichen diese für ihre Kunden … den normalen Bürger, dem die Freiheit der Gedanken heilig, die freie Meinungsäußerung als gewichtiger Teil des Grundgesetzes ebenso unantastbar sein muss wie die eigene Privatsphäre.
Die eigene … Privatsphäre!
Jene, die in der Öffentlichkeit einen Namen haben, die im Fokus des allgemeinen Interesses stehen, genießen keine Rechte nach dem Grundgesetz. Die Marke der Unterwäsche eines Stars ist genau so ein Informationsthema wie der Urlaubsort eines hochgestellten Politikers. Der in einer 30er Zone mit 130
km/h geblitzte Spitzensportler liest über seine ›Untat‹ genauso im Morgenblatt einen detaillierten Artikel wie der Gewerkschafter, der sich im Rotlichtviertel verirrt … dort vielleicht zufällig einen Arbeitgebervertreter getroffen und mit ihm zusammen die Nacht durchgemacht hat. Meeting!
Das gehört dazu! – Wer in der Öffentlichkeit lebt, der wird auch öffentlich beachtet. Wer ein offizielles Statement abgibt, der wird zitiert … wenn auch nicht grundsätzlich richtig, im richtigen Zusammenhang und wortwörtlich. Wer für die öffentliche Meinung schreibt, hat ›Auflagenzahlen‹, ›Zuschauerquoten‹ oder ›Klicks‹ (im Internet) im Sinn … schreibt (in der Regel) nicht aus Selbstlosigkeit, um der Menschheit ein paar interessante Gedanken mitzuteilen, sondern aus beruflichen Gründen … um Geld zu verdienen. Was kann ein Star, ein Politiker oder ein Kulturbeauftragter dafür, wenn die für die Allgemeinheit bestimmten Sätze der Meinung der präsentierenden Industrie nach etwas zu wenig aussagekräftig daherkommen? Dafür gibt es die Schreiber, die mit Sprache möglicherweise nicht besser umgehen können, die aber genau wissen, wo man wie und welche Worte wann einsetzt und wieso nicht … oder gerade deshalb!

PRESSEFREIHEIT gehört dem Volk, das informiert werden möchte.
Keine Verschleierungstaktik der Regierung, die Überblickbarkeit jener Institutionen, in die ein Normalbürger sein sauer verdientes Geld –gezwungenermaßen oder auch freiwillig– einzahlt, Offenlegung der Geschäfte bei Wirtschaft und Forschung, Ergebnisse von Veranstaltungen, Neuigkeiten auf dem Markt zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Hochkultur und Trash … ja, all das befindet sich innerhalb des Rahmens eines gesunden Informationsbedürfnisses. Hier greift der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, die den Bürger auf dem Laufenden halten, ihn mit jenen Daten und Fakten versorgen, die es ihm erlauben, sich in der Welt und auch im persönlichen Umfeld zurechtzufinden. Dass hier weder das seidene Schnupftuch, das sich ein Direktor auf Firmenkosten zugelegt hat, noch die Tampon-Marke der Pop-Diva oder die Liebelei eines Politikers im Landkreis Oberhinzenbach eine Rolle spielen sollten, leuchtet vielleicht jenen ein, die Privatsphäre respektieren … aber dazu gehören weder die Planer jener Medienträger, die von Werbeeinnahmen und damit Zugriffszahlen abhängig sind, noch das quirlige Ameisenvolk, das diese Medienträger mit dem entsprechenden Stoff versorgt. Und … dahinter stehen die informations- und sensationslüsternen Abnehmer dieser Meldungen.
Der Auftrag lautet: "Information & Sensation!"
Die Parole heißt: "Die Gedanken sind frei!"

Jede weitere Überlegung findet offiziell keinen Anklang. Da kann man getrost vergessen, wie Orson Welles bereits 1938 übers Radio eine Massenpanik an der US-Ostküste ausgelöst haben soll … denn wir alle können uns vorstellen, was passieren würde, könnte der emsige Reporter der KLATSCH im entscheidenden Augenblick den massiven Austritt radioaktiver Strahlung in einem Ballungsraum ganz exklusiv in seinem Blättchen verkünden … oder von einem terroristischen Anschlag auf das Cup-Endspiel  … oder vom bevorstehenden Börsencrash oder …

Die Gedanken sind frei!

Zumindest … theoretisch und … hypothetisch! 

 

 © a.zeram 2012

Weiterführende Gedanken unter:   021) JE SUIS CHARLIE? und  022) DIE GEDANKEN SIND FREI

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008 - MEINUNGSMACHE   (Freie Meinungsäußerung II)
(Kann sich der Normalbürger frei entscheiden?)

Meinungsmache negativ farbig-mini

»Die Gedanken sind frei!«
Diese demokratische Grundvoraussetzung wird manchmal schlichtwegs übergangen, bzw. auch bewusst übersprungen, wenn es darum geht, dass interessierte Leser und Zuseher in Radio, TV und Internet das akzeptieren, was ihnen angeboten wird. Einerseits wird der rechtschaffene Umgang mit darzustellenden Informationen vorausgesetzt, andererseits argwöhnisch jegliche Meldung beäugt, die sich dem eigenen Verständnis nicht problemlos unterordnen lässt. Und dennoch … zumeist erlaubt sich der Konsument, die angebotenen Nachrichten seinem Wissen einzuverleiben … meist nur oberflächlich und temporär … aber auch –je nach Genre der angebotenen Meldung– sehr profund und nachhaltig.
Niemand wird die Ergebnisse des aktuellen Bundesliga-Spieltages anzweifeln und auch bei den Lottozahlen –selbst mit dem Hinweis darauf, dass alle Informationen ›Ohne Gewähr‹ seien– dürften die Zauderer und Zweifler sehr rar sein. Man vertraut den Medien, wenn es um Fakten und Daten geht. Im Video-Text kann all das fast in Echtzeit überprüft werden, was unsere Vorväter erst mühsam aus den Tageszeitungen zusammensuchen mussten. Im Internet ist der Interessierte sozusagen fast schon bei jeder Geburt eines jeden Ereignisses dabei … Live!

Herrlich diese schöne neue Welt, die über all das informiert, was wir wissen wollen! Und als Konsument braucht man nur noch auszuwählen, welche Neuigkeiten als interessant einzustufen und welche Fakten für einen längeren Zeitraum im Gedächtnis abzuspeichern sind.
Ein leicht bitterer Nachgeschmack kriecht fast unmerklich den Gaumen hinauf, wenn in den Medien ein Thema behandelt wird, für das sich der jeweilige Endverbraucher mehr als nur beiläufig interessiert. Dort, wo eigene Erfahrungen, selbst angeeignetes und gar überprüftes Wissen ins Spiel kommen, werden Nachrichten und Fakten anders gesehen, anders verstanden und entsprechend differenziert behandelt.
Paradebeispiel: Sport!
Insider wissen immer mehr als Gelegenheits-Fans. Der in allen Weltmeisterschaften erfahrene Allrounder kennt nicht nur die Stars der Szene – vom Fußball bis zum Biathlon, vom Boxkampf bis zum Billard - nicht nur die Gesichter und Positionen der Trainer, Sponsoren und Funktionäre … hier weiß der Insider auch über die Kommentatoren der Live-Übertragungen, die Berichterstatter und Sportsendungs-Moderatoren Bescheid. Keine Neuigkeit geht da ungeprüft ins Langzeitgedächtnis über, keine Schlussfolgerung eines Interviewpartners nach Wettkämpfen wird da nicht genauestens analysiert.
Im Gegensatz dazu kennt sich der Sport-Analytiker vielleicht nicht so gut in Politik aus … doch erstaunlicherweise wird hier eher akzeptiert, was der Nachrichtensprecher, der Berichterstatter oder der Live-Kommentator von sich gibt. Was in den Medien berichtet wird, was sich über diverse Datenbanken ohne großen Aufwand abrufen lässt, was zuletzt irgendwo im Druck oder im Netz nachprüfbar als Fakt etabliert steht, wird schließlich nicht mehr angezweifelt. Logische Folgerungsfehler, ungenaue Darstellung, verzerrte Darstellung … was im Sport bei Profi-Nachrichtenkonsumenten zu Protest oder Ablehnung oder auch kritischen Leserbriefen führt, wirkt sich in den Bereichen, die der Konsument nicht so ohne Weiteres überblicken kann, überhaupt nicht mehr aus.
Ob ich als Normalbürger eine politische Partei für gut oder weniger gut halte, wie ich deren Parteiprogramm einstufe und bewerte und wo ich zuletzt vielleicht mein Wahl-Kreuzchen setze, hängt meist nicht davon ab, ob ich tatsächlich den politischen Tiefenblick erworben habe … sondern davon, wie sympathisch mir die Gallionsfiguren der entsprechenden Parteien erscheinen und inwieweit ich mich ihnen zugehörig und zugeneigt fühle. In der Regel erwerbe ich mir dieses Wissen –und die zur Wahl anstehenden Politiker– über die sozialpolitische Darstellung … die Werbung!

Im Großen scheint der Endverbraucher den Medien auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Wie soll sich schließlich die gestresste, halbtags berufstätige Mutter von zwei Kindern auch noch mit globalen Problemen sozialer, politischer oder wirtschaftlicher Natur herumschlagen? Wie viel Zeit kann der Büroangestellte, der Supermarktverkäufer oder ein selbstständiger Kfz-Mechaniker mit eigener, hochverschuldeter Werkstatt investieren, um sich über wichtige Strömungen auf dem Finanzmarkt, Warnsignale im Lebensmittelbereich oder auch ›nur‹ die neuesten Trends im Schauspielhaus der örtlichen städtischen Bühne zu informieren?
Insider wissen … Gläubige glauben … und was macht der Rest?

Längst haben die Medienmacher genau erkannt, dass der Endverbraucher grundsätzlich unwissend ist und sich genau deshalb nach Information sehnt, die ihm ein klein wenig Ahnung vermitteln soll. Das WIE und WARUM steht hier nicht zu Debatte, denn auch danach fragt der normalerweise an ganz anderen Dingen interessierte Endverbraucher der Informationsindustrie nicht. Er wird informiert … über jene Dinge, die im Interesse der Anbieter stehen und die über geschicktes Marketing zum Interesse der Konsumenten werden … und dadurch eine Nachfrage bedienen, die in einer zurückzuverfolgenden Kette gar kein Bedürfnis hatte.
Marketingtechnisch stehen hierbei politische, wirtschaftliche oder kulturelle Informationsanbieter ganz nahe bei jenen, die sich einzig um ein zu verkaufendes Produkt zu kümmern haben … über die Werbung in Printmedien, Funk, TV oder Internet … Plakatwände an viel befahrenen Verkehrswegen inbegriffen!.
»Rufen sie diese Nummer an … achten sie nicht auf den Verkehr!«
Und da ist jeder seines eigenen Glückes Schmied! – Als Endverbraucher muss ich nicht glauben, was mir die Industrie in der Produktwerbung verspricht. Ob die ultrasuperhyper Monatsbinde tatsächlich geruchsabsorbierend ist, werde ich nach dem Kauf schon selbst feststellen! Und wie viel der neue Hybridmotor meines Großstadt-erprobten, von soundso vielen Wissenschaftlern und Technikern entwickelten und in der Praxis durchgetesteten neuen Autos tatsächlich verbraucht und wie anfällig die dazugehörige Elektronik ist, wie teuer der Unterhalt insgesamt … Erfahrung macht das Leben reich!

Etwas anders verhält es sich bei politischer Meinungsvermittlung, bei Berichterstattung aus dem Kulturleben oder den neusten Trends aus dem wirtschaftlichen Kampfsportgeschehen … weltweit. Global Players bleiben für den Normalverbraucher, der nach seiner üblichen 38,5-Stunden-Woche ausgelaugt, schläfrig und dabei doch sehnsüchtig amerikanische Soaps in sein abendliches Entspannungsprogramm eingebaut hat, eher exotische Wesen aus einer anderen Welt. Wie gerne würde man selbst eine hübsche Therapeutin aufsuchen … oder einen Personal-Trainer mit Sixpack und dem niederschmetternden Charme der beziehungslosen Ewigsingles!
Hubermayermülleryildirim bezahlt das die Ortskrankenkasse, die sonst immer für ihn da ist, leider nicht … mit dem Burnout unter 50 muss jeder für sich selbst zurechtkommen … und danach ist: ›Frührente‹!

Davon leben die MEINUNGSMACHER … davon lebt eine ganze Industrie. Wenn der Talkshow-Master einem Millionenpublikum eine fadenscheinige Unwahrheit verklickert, ist das unter Umständen von durchaus gültiger Brisanz und nachhaltiger Wirkung – während der Wissenschaftler auf einem Kongress seine Forschungsergebnisse noch so sehr mit Testreihen und ausgewerteten Fakten belegen kann: Wer seine Botschaft nicht richtig unters Volk bringt, der sollte gleich von vorneherein den Mund halten! Es hört sowieso keiner zu!

Jaja … herrlich diese schöne neue Welt, die über all das informiert, was wir wissen wollen … und auch über das, was wir eigentlich lieber nie gewusst hätten!

Am Steuer der Informationszentrale sitzen jene, die genau abschätzen können, wie eine Meldung aufgenommen werden soll und wird … nicht nur, weil sie den Gehalt der Meldung so perfekt im Griff haben, sondern vor allem– weil sie die Aufnahmebereitschaft und die Bedürfnisse ihrer Kundschaft genau kennen.
Sie haben schließlich die Endverbraucher über viele Jahre hinweg sensibilisiert, gestaltet und nach den geplanten Vorgaben ausgerichtet – haben damit erst die notwendigen Bedürfnisse geschaffen, die einen ungebrochenen Strom an Informationen erfordern!

Wer immer heutzutage eine Meinung zu allgemeinen Themen hat, wird massive Schwierigkeiten haben, diese durch Beispiele zu belegen, bei denen sein eigenes Nachdenken, Nachprüfen und Nachforschen in Kleinarbeit eine entscheidende Rolle spielt. Die Frage nach dem Ursprung einer Neuigkeit, einer tagesaktuellen oder auch schon historischen Nachricht … viel zu oft wird als Quelle eine öffentliche Einrichtung angegeben, deren Überprüfbarkeit in den Nebeln der digitalen Speicherkraft liegen.

»Die Gedanken sind frei!«

Entsprechend sollte ein jeder für sich selbst genau abwägen, wie weit er sich mit einer eigenen Meinung vorwagt, und inwiefern eine eigene Meinung tatsächlich die eigene ist … und nicht manipuliertes Allgemeingut.

 

 

© a.zeram 2012

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009 -  DIE EIGENE MEINUNG
 (Freie Meinungsäußerung III)

Meinungsmache Schwarzweiss

»Jetzt redʼ i!«
Darf der Normalbürger eigentlich denken, sagen und vielleicht sogar schriftlich fixieren, was ihm gerade durch den Kopf geht? Hat er irgendwelche Regeln zu beachten, wenn er sich dessen besinnt, was im rechtlichen, moralischen und ethischen Sinn eine ›freie Meinungsäußerung‹ bedeutet?

»Die Gedanken sind frei!«
Stimmt das? – Hat das gleichermaßen Gültigkeit für den Einzelnen wie für alle … für rechtlich gebundene, öffentlich beobachtete, vom Medienrummel vereinnahmte oder auch unbeachtete Personen? – Kann jeder für sich seine
»Meinung« frei äußern … so, dass andere sie auch ›hören‹ oder ›lesen‹ können? – Oder sollte jeder mit seiner Meinung lieber in den Keller gehen und dort mit den anderen, die zum Lachen herumstehen, eine Art vage Kontaktaufnahme versuchen … als Leidensgenosse?

Wiefrei‹ sich eine Meinung vertreten lässt, erfährt jeder für sich selbst, wenn er im Kreis einer eingeschworenen Gemeinschaft einen kontroversen Gedanken äußert und dazu zu stehen versucht. Versucht … denn sehr schnell können durch etwas heftiger geführte Diskussionen, durch offene Anfeindung und spürbaren Widerwillen eine zuvor festgefügte Erfahrung und die dazugehörige Meinung ins Wanken geraten.
Dabei ist doch gerade die ›eigene Meinung‹ gefordert, wenn es darum geht, innovativ zu denken, ehrlich zu handeln oder integer zu reagieren. Die Frage des Chefs kann noch so fallstrickartig gestellt sein, doch wenn er danach fragt, was denn ›ihre persönliche Meinung‹ zu einem internen Firmenproblem sei … soll dann taktiert, verschleiert und gelogen werden?
Soll selbst dort, wo die eigene Meinung verlangt wird, Zurückhaltung geübt werden? Daheim … vor dem Bildschirm, bei der Auswahl der Morgenzeitung oder der Abendlektüre? Bei der Wahl des Wettkönigs in einschlägigen TV-Shows oder beim Abstimmen für den einen Song, der das eigene Land im internationalen Wettbewerb vertreten soll?
Ist nicht der einzelne Bürger mit seiner ganz persönlichen Meinung so ziemlich auf den engsten Freundeskreis beschränkt … reduziert? – Wagt denn irgendjemand den heroischen Ausfall und erklärt der verknöcherten Bürokratie den Krieg? – Mit dem Motto
»Meine Steuergelder sind wertvoll!kann sich jeder profilieren, doch Änderungen lassen sich kaum dadurch erreichen, dass am wöchentlichen Stammtisch oder beim Osterfrühstück im Familienkreis die Revolution ausgerufen wird. Den »Gedankenauch Taten folgen zu lassen, ist bei diesem ganzen Überlegungsprozess ein unangenehmer Nebeneffekt, auf den selbst die kritischen und auf Kontra programmierten Philosophen bereits im Ansatz verzichten.

Wir denken, wir fluchen, wir wettern und zetern … aber die gedankliche Freiheit hat nichts mit Aktion oder Reaktion zu tun. Es ist nicht erwünscht, anders zu sein, anders zu denken und sich anders zu verhalten als die Allgemeinheit, die alsNorm‹ bezeichnet die Regeln für (fast) alle aufstellt … bzw. trotz eigenen Zutuns dennoch aufgestellt bekommt. Irgendwann verselbstständigen sich die duckmäuserischen Gleichschaltungen und die Betroffenen wählen instinktiv den Weg des geringsten Widerstandes.

»Die Gedanken sind frei!«
… aber der Nutzen freier Gedanken geht in einem Ozean von Vorteilen unter. Denn dort, wo man sich nicht beweisen oder rechtfertigen, erklären oder wehren muss, kann man ruhiger und angenehmer leben als in einem Klima des permanenten Kampfes … und sei er auch ›nur‹ ideologischer Natur. Religion, sozialer Status, politische Überzeugung, wirtschaftliche Kasten-Zugehörigkeit … wir leben nicht durch unser Wissen, unsere Erkenntnisse und Errungenschaften im Bereich spiritueller Wahrnehmungen – wir leben durch Leistungen, die auf einer wirtschaftlich messbaren Skala benannt werden können und uns daher Auszeichnungen oder Abwertungen mit auf den Weg im Alltag geben, von denen wir nur dann etwas mitbekommen, wenn wir uns um Erfahrungswerte kümmern und uns dabei über Einfluss und Auswirkung auf unsere Umgebung bewusst werden.
Die bayerische Variante der öffentlichen, sarkastisch-satirischen Kritik … plakativ und direkt als ›Derblecken‹ bekannt, unter dem Titel ›Jetzt redʼ i
(Jetzt rede ich!) zum geflügelten Wort avanciert … ist das die wahre, die ultimative und letzte ungefährliche freie Meinungsäußerung? Reduziert auf einen aufgeblähten Stammtisch, der sich sogar medienwirksam per TV ausgestrahlt und über zahllose Folge-Kommentare beachtet weiß, bleiben wohl auch solche löblichen Ansätze im Keim stecken und erstickt … denn hier werden die tatsächlichen Meinungen, die wahrhaft freien, kritischen wie wertschätzenden Gedanken in kabarettistische Kostüme gekleidet präsentiert … und dadurch nur noch bedingt oder auch ganz und gar nicht mehr ernst genommen – vor allem nicht von jenen, die eigentlich sehr aufmerksam zuhören sollten.

Die Frage, wie viel eigene Meinung der Bürger verträgt, wie viel Spielraum ihm zugebilligt werden sollte und wie viel von seinen Äußerungen auch publik gemacht werden müsste und dürfte, stellt sich über diese Version der freien Meinungsäußerung nicht mehr.
Der Mensch denkt in kurzen Intervallen oder global, situationsbezogen oder generationenübergreifend, spezifisch detailliert oder ausgeweitet und komplex … so komplex, dass ihm die Zwischengedanken verloren zu gehen drohen. Denn auch all das, was nicht Tages
-
Kracher und Sensation für ein Jahrzehnt ist, könnte im alltäglichen Erfahren und Bewusstwerden eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Die eigene Meinung ist vielleicht nur dann wirklich eigenes Gedankengut, wenn man sie alleine für sich formuliert und später an anderen ausprobiert hat und die Wirkung schließlich an sich selbst wie auch an anderen über einen gewissen Zeitraum verfolgen hat können. Erst dann weiß man, wie viel eine Erkenntnis wiegt, wenn sie nach einigen Jahren noch reiflich überdacht und immer wieder neu auf den Prüfstand geschickt– einen bestimmten, wenigstens persönlichen Wert behalten hat.

 

© a.zeram 2012

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